Nachhaltigkeit

Der Label-Check

Du stehst vor einem Siegel und fragst dich, ob wirklich etwas dahintersteckt. Ich schaue für dich auf drei Fragen, die zu meiner Art zu essen passen, nämlich ob etwas aus deiner Nähe kommt und gerade Saison hat, ob Anbau und Haltung ernsthaft geprüft sind, und ob fair gehandelt wurde. Und ich sage dir bei jedem Siegel in Klartext, was ich davon halte.

Das Wichtigste vorweg

Fast kein Siegel verrät dir, ob etwas aus deiner Nähe kommt und gerade Saison hat, und genau das ist für das Klima oft der größte Hebel. Eine Tomate aus dem beheizten Gewächshaus im Winter verursacht rund hundertmal so viel CO2 wie eine saisonale Tomate aus regionalem Freilandanbau. Kein Siegel ersetzt deshalb den Blick auf die Herkunftsangabe und auf den Saisonkalender. Die Siegel unten helfen dir vor allem bei den beiden anderen Fragen, bei Anbau und Haltung sowie beim fairen Handel.

stark teilweise sagt dazu nichts

So bewerte ich

Ich stelle an jedes Siegel drei Fragen. Bei der Nähe geht es darum, ob das Siegel eine echte Herkunft garantiert, wobei Nähe für mich nur zusammen mit Saison und ohne Flugtransport zählt, denn ein per Flugzeug eingeflogenes Produkt ist beim Klima ruinös, während Schiffstransport erstaunlich sparsam ist. Beim Anbau schaue ich, wie ernsthaft ökologisch gewirtschaftet und, bei tierischen Produkten, wie artgerecht gehalten wird, und ich unterscheide dabei bewusst zwischen dem gesetzlichen Mindeststandard und den strengeren Anbauverbänden. Beim fairen Handel zählt, ob die Menschen am Anfang der Kette abgesichert und fair bezahlt werden, was vor allem dort wichtig wird, wo es keine heimische Alternative gibt.

Quer über diese drei Fragen lege ich einen Blick auf die Glaubwürdigkeit, also ob ein Siegel von einer unabhängigen Stelle kontrolliert wird, ob es gesetzlich verankert ist, ob es von einem Runden Tisch der Branche getragen wird oder ob es eher ein firmeneigenes Zeichen ist. Dieser Unterschied ist entscheidend, weil viele von der Industrie selbst getragene Siegel weichere Kriterien haben und mehr Ausnahmen erlauben.

Grundlage sind die EU-Öko-Verordnung, die öffentlichen Angaben der Siegelträger, das Bundeslandwirtschaftsministerium, das Forum Fairer Handel, Verbraucherzentralen, Stiftung Warentest sowie wissenschaftliche Auswertungen zum CO2-Fußabdruck von Lebensmitteln, unter anderem die große Metastudie von Poore und Nemecek und Berechnungen des ifeu-Instituts. Die Klartext-Empfehlung ist meine persönliche, sorgfältig abgewogene Einschätzung und ersetzt keine unabhängige Zertifizierung. Und ganz wichtig, ein fehlendes Siegel bedeutet nicht schlechte Qualität, denn viele kleine Höfe, Solawis und Direktvermarkter wirtschaften vorbildlich, dürfen ihre Ware wegen der teuren Zertifizierung aber gar nicht bio nennen.

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