Nicht die Anzahl deiner Kontakte entscheidet, sondern was zwischen euch wächst.
Ich erinnere mich noch gut an eine Veranstaltung in Essen, bei der ich mit einem Stapel Visitenkarten nach Hause gegangen bin und trotzdem das Gefühl hatte, nichts mitgenommen zu haben. Die Karten lagen auf meinem Schreibtisch, die Menschen dahinter waren mir fremd geblieben. Das war der Moment, in dem mir klar wurde: Ein Netzwerk ist kein Adressbuch. Es ist etwas, das du mit Absicht aufbaust, pflegst und gestaltest.
Was genau ein gutes Netzwerk ausmacht, habe ich in meinem Buch Der Network Navigator ausführlich beschrieben. Hier nehme ich dich mit durch die Kerngedanken aus Kapitel 2.1, denn ich glaube, dass viele Menschen netzwerken, ohne je darüber nachgedacht zu haben, was sie eigentlich suchen und was sie bereit sind zu geben.
Ein gutes Netzwerk öffnet Türen, die du alleine nicht findest
Der erste und vielleicht offensichtlichste Nutzen: Zugang. Zugang zu Jobs, zu Ansprechpersonen, zu Lösungen für Probleme, die du alleine nicht lösen kannst. Das klingt pragmatisch, und das ist es auch. Aber es steckt mehr dahinter als bloßer Opportunismus.
Wenn du ein starkes Netzwerk hast, musst du nicht bei null anfangen, wenn du vor einer neuen Herausforderung stehst. Du weißt, wen du anrufen kannst. Du weißt, wer dir ehrlich sagt, was du hören musst. Dieses Wissen, dass da Menschen sind, die dir weiterhelfen können und wollen, ist ein riesiger Vorteil. Nicht weil du dir etwas erschlichst, sondern weil du dir über die Zeit Vertrauen erarbeitet hast.
Wissen wächst, wenn du es mit anderen teilst
Ein gutes Netzwerk erweitert deinen Horizont. Das passiert durch Fachleute, die dir Einblicke geben, die du dir selbst nicht anlesen kannst. Das passiert durch Mentorinnen und Mentoren, die schon dort waren, wo du gerade hinwillst. Und es passiert durch Menschen, die einfach anders denken als du.
Ich habe in meiner eigenen Arbeit, ob bei Mach mit! Essen, der vilaron Stiftung oder meiner Tätigkeit als Stadträtin für Volt Essen, immer wieder erlebt, wie viel Kraft in vernetztem Wissen steckt. Kein Mensch kann alles wissen. Aber gemeinsam kann ein Netzwerk fast jede Frage beantworten. Das setzt voraus, dass du auch bereit bist, dein eigenes Wissen zu teilen, ohne sofort eine Gegenleistung zu erwarten.
Vertrauen entsteht nicht zufällig, sondern durch Haltung
Hier wird es für mich wirklich interessant: Ein gutes Netzwerk lebt von einer bestimmten Haltung. Respektvoller Umgang, gegenseitige Anerkennung und ehrlicher Austausch. Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Ich sehe regelmäßig, wie Menschen Kontakte sammeln, ohne echtes Interesse zu zeigen. Oder wie jemand nur dann auftaucht, wenn er etwas braucht.
Vertrauen baut sich über Zeit auf, und es baut sich durch Konsistenz auf. Wenn du sagst, was du tust, und tust, was du sagst, werden Menschen das wahrnehmen. Wenn du ehrlich bist, auch wenn es unbequem ist, werden Menschen das schätzen. Diese Qualität der Kontakte ist der entscheidende Unterschied zwischen einem Netzwerk, das wirklich trägt, und einer losen Sammlung von Namen.
Geben und Nehmen ist kein Tauschgeschäft, sondern eine Einstellung
Das Prinzip des Gebens und Nehmens ist zentral für jedes funktionierende Netzwerk. Wer Wissen teilt, Kontakte weitergibt und Ressourcen zur Verfügung stellt, profitiert langfristig selbst. Das ist keine Floskel, das ist Erfahrung.
Aber ich möchte eine wichtige Unterscheidung machen: Geben und Nehmen ist kein buchhalterisches Gleichgewicht. Du hilfst nicht, weil du darauf wartest, dass die gleiche Person dir zurückzahlt. Du hilfst, weil du Teil eines Systems sein willst, in dem Menschen füreinander da sind. Der Rücklauf kommt, aber oft von ganz anderer Stelle und zu einem Zeitpunkt, den du nicht vorhersehen konntest. Das ist das Schöne daran.
Qualität und Ziele sind zwei verschiedene Dinge, und du brauchst beides
Ein Punkt aus meinem Buch, der mir besonders wichtig ist: Du musst die Merkmale eines guten Netzwerks klar von deinen eigenen Zielen unterscheiden. Das klingt zunächst abstrakt, also lass mich das aufdröseln.
Die Qualität deines Netzwerks beschreibt, wie es funktioniert: Gibt es Vertrauen? Gibt es echten Austausch? Gibt es gegenseitige Unterstützung? Deine Ziele hingegen beschreiben, wohin du willst: Suchst du einen neuen Job? Willst du ein Projekt finanzieren? Willst du in einem neuen Feld Fuß fassen? Beides zusammen schöpft das Potenzial deines Netzwerks aus.
Ein Netzwerk, das hoch in der Qualität ist, aber nicht auf deine Ziele ausgerichtet, bringt dir wenig voran. Ein Netzwerk, das auf deine Ziele ausgerichtet ist, aber keine echten Verbindungen hat, bricht beim ersten Test zusammen. Du brauchst beides, und du musst beides aktiv gestalten.
Dein Netzwerk wächst in die Richtung, in die du es lenkst
Das ist die Kernbotschaft, die ich mitnehmen möchte: Ein gutes Netzwerk passiert nicht. Du baust es auf. Du investierst bewusst Zeit und Aufmerksamkeit in Menschen, in Beziehungen, in Strukturen. Und durch dieses bewusste Investieren lenkst du dein Netzwerk in die Richtung, die dir den größten Nutzen bringt.
Das bedeutet auch, dass du manchmal Entscheidungen treffen musst. Nicht jeder Kontakt passt in jede Phase deines Lebens. Nicht jede Veranstaltung ist die richtige für dich. Das ist keine Kälte, das ist Klarheit. Und Klarheit über das, was du willst und was du zu geben bereit bist, macht dich zu einer besseren Netzwerkerin und zu einem besseren Netzwerker.
Eine unterstützende Gemeinschaft ist kein Luxus
Ich möchte mit einem Gedanken schließen, der mir persönlich viel bedeutet: Ein gutes Netzwerk schafft Gemeinschaft. Nicht als Nebenprodukt, sondern als eigenen Wert. Menschen, die dich kennen, die dir wohlgesonnen sind, die dich herausfordern und stärken, das ist keine Selbstverständlichkeit.
In einer Welt, in der Vereinzelung ein echtes gesellschaftliches Problem ist, ist ein starkes persönliches Netzwerk auch ein Akt der Fürsorge, für dich selbst und für andere. Das erlebe ich bei meiner Arbeit mit dem BPW eClub genauso wie in meiner politischen Arbeit in Essen. Menschen, die verbunden sind, handeln anders. Sie handeln gemeinsamer.
Wenn du tiefer einsteigen willst, findest du die vollständige Auseinandersetzung mit diesen Gedanken im Network Navigator, Kapitel 2.1.
Und jetzt bin ich neugierig auf dich: Was ist für dich persönlich das wichtigste Merkmal eines guten Netzwerks, und wie aktiv gestaltest du es gerade?
Quellen und Links
- Der Network Navigator, Kap. 2.1, ca. S. 63–66
- Volt Essen
- Mach mit! Essen gUG
- vilaron Stiftung
- BPW eClub
Über Mandy
Stadträtin fuer Volt Essen, Ratsgruppe Volt & Die PARTEI
City Lead fuer Partnership & Kommunikation, Volt Team Essen
Geschaeftsfuehrerin bei Die Life & Food Farm
Founder und Vorstaendin der vilaron Stiftung
Founder und Vorstaendin vom BPW eClub
Founder und GF von Mach mit! Essen gUG
Ich entwickle und fuehre nachhaltige Strukturen fuer gesunde Ernaehrung, Klimaverantwortung und gesellschaftliche Teilhabe.