Teilhabe: Mitmachen, mitgestalten, nicht länger abhängig sein

Zwei neue Organisationen, ein Auftakt und ein Sommer voller Weckrufe, der mich in meiner Arbeit bestätigt.

Essen, Anfang September. Letzte Woche hat es irgendwo gebrannt, dann kam ein Tornado um die Ecke, und der Sommer hinterlässt Spuren, die weit über versengte Wiesen hinausgehen. Landwirtschaftliche Erträge sind eingebrochen, Preise steigen, und wer am Ende die Rechnung zahlt, ist klar: der normale Bürger, die normale Bürgerin. Ich sitze an meinem Schreibtisch und denke: Genau deshalb mache ich das hier.

Am 9. September veranstalte ich eine Auftaktveranstaltung, bei der ich zwei Organisationen vorstelle, die mir sehr am Herzen liegen: Mach mit! Essen und die vilaron Stiftung. Beide stehen für gesellschaftliche Teilhabe, beide arbeiten mit verschiedenen Themen und verschiedenen Formaten, und beide verfolgen ein gemeinsames Ziel: Menschen einladen, mitzumachen, mitzugestalten, Ideen auszutauschen und Ideen umzusetzen.

Teilhabe ist kein Abstraktum, sie braucht konkrete Orte

Wenn ich über Teilhabe spreche, meine ich nicht Beteiligung auf dem Papier. Ich meine echte Begegnungen, echte Gespräche, echte Projekte. Deshalb setze ich auf Eventformate, die Menschen dort abholen, wo sie stehen. Nicht jeder kommt zu einer Podiumsdiskussion, nicht jeder füllt einen Fragebogen aus. Aber viele kommen, wenn sie das Gefühl haben, dass ihre Stimme tatsächlich etwas bewegt.

Die vilaron Stiftung ist mein Rahmen dafür. Sie bündelt Themen, die auf den ersten Blick vielleicht getrennt wirken, aber eng miteinander zusammenhängen: Ernährungsbildung, Lebensmittelverschwendung, Regionalität, Saisonalität, achtsamer Konsum. Das klingt groß, und das ist es auch. Aber es fängt klein an, nämlich mit dem, was auf deinem Teller liegt.

Ein schlechter Sommer ist kein Zufall, er ist ein System

Dieser Sommer hat mir deutlich vor Augen geführt, warum Ernährungsbildung keine nette Zusatzleistung ist, sondern eine Notwendigkeit. Hitze, Brände, ein Tornado: Ernteausfälle auf breiter Front. Und was passiert dann? Die Lebensmittelpreise steigen. Das ist der offizielle Teil, den jeder sieht.

Was viele dabei übersehen: Die Preise gehen hoch, aber sie kommen nicht wieder runter. Wenn eine Kaffeeernte schlecht ausfällt, wird der Kaffeepreis angehoben, und er bleibt oben. Wenn sich die Lage stabilisiert, passt sich der Preis nicht wieder nach unten an. Wir gewöhnen uns, der Gewinn bleibt, und das System dreht sich weiter. Jede Katastrophe wird irgendwann zur Preisanpassung, die dauerhaft eingepreist bleibt.

Die großen Lebensmittelkonzerne könnten das teilweise abfedern. Sie tun es nicht. Sie geben weiter, was ihnen weitergegeben wird, manchmal sogar mehr. Ich sage das nicht, um Stimmung zu machen, sondern weil es die Realität ist, mit der Menschen täglich an der Supermarktkasse konfrontiert werden. Wer das versteht, kann anfangen, anders zu entscheiden.

Aufklärung ist keine Bevormundung, sie ist Ermächtigung

Ich höre manchmal, dass Ernährungsbildung paternalistisch wirkt. Dass man den Menschen nicht erklären soll, was sie essen sollen. Das ist ein Missverständnis. Es geht mir nicht darum, Verbote zu formulieren oder Schuldgefühle zu erzeugen. Es geht darum, Zusammenhänge sichtbar zu machen, die bewusst im Dunkeln bleiben.

Wenn du weißt, warum Erdbeeren im Januar teurer sind und weniger gut schmecken, triffst du andere Entscheidungen. Wenn du verstehst, was mit Lebensmitteln passiert, die im Handel aussortiert werden, fängst du an, anders einzukaufen. Das ist keine Meinung, das ist Information und Information, geteilt auf Augenhöhe, ist das Gegenteil von Bevormundung.

Die vilaron Stiftung arbeitet genau daran: Regionalität und Saisonalität salonfähig machen, Lebensmittelverschwendung als Thema aus der Nische holen und achtsamen Konsum als etwas verstehen, das Spaß machen kann und nicht nach Verzicht riecht.

Mach mit! Essen bringt das auf die Straße

Mach mit! Essen ist meine gemeinnützige Unternehmensgesellschaft, die genau diese Themen auf verschiedensten Ebenen in die Stadt trägt. Projekte, Formate, Kooperationen, Begegnungen. Ich freue mich auf die Zeit und bin ehrlich gespannt, was dabei herauskommt. Denn das ist das Schöne an echter Partizipation: Du kannst nicht alle Ergebnisse vorhersagen. Du setzt etwas in Gang und schaust, wohin es läuft.

Beide Organisationen arbeiten zusammen, ergänzen sich, und sie brauchen Menschen, die mitmachen wollen. Das können Einzelpersonen sein, Vereine, Schulen, Unternehmen, oder auch Förderer und Stiftungen, denen ich am 9. September erstmals beide Projekte vorstelle. Ich bin gespannt, wie das Event wird, und ich hoffe, dass aus diesem Abend echte Verbindungen entstehen.

Der 9. September ist ein Anfang, kein Höhepunkt

Auftaktveranstaltungen haben manchmal etwas Feierliches, das mich eher nervös macht als stolz. Ich denke an den 9. September nicht als Ziel, sondern als ersten Schritt. Wir stellen vor, wir erklären, wir laden ein, und dann fängt die eigentliche Arbeit an.

Was ich mir von dem Abend wünsche: dass Menschen hinausgehen und das Gefühl haben, dass ihr Engagement hier einen Platz hat. Dass sie wissen, wo sie sich einbringen können. Dass aus einem ersten Gespräch ein Projekt wird, und aus einem Projekt vielleicht etwas, das in Essen bleibt.

Essen ist meine Stadt. Ich sitze im Rat, ich lebe hier, ich kaufe hier ein und ich sehe täglich, wo es hakt. Gesellschaftliche Teilhabe ist kein Konzept, das von oben verordnet werden kann. Sie entsteht, wenn Menschen das Gefühl haben, dass ihre Stimme gehört wird und dass sie etwas verändern können. Daran arbeite ich, mit der vilaron Stiftung, mit Mach mit! Essen und mit allem, was daraus noch wächst.

Jetzt bin ich neugierig auf dich: Welches Thema aus dem Bereich Ernährung, Konsum oder gesellschaftliche Teilhabe beschäftigt dich gerade, und was würdest du dir wünschen, dass jemand in deiner Stadt endlich anpackt?

Quellen und Links


Stadtraetin fuer Volt Essen, Ratsgruppe Volt & Die PARTEI
City Lead fuer Partnership & Kommunikation, Volt Team Essen
Geschaeftsfuehrerin bei Die Life & Food Farm
Founder und Vorstaendin der vilaron Stiftung
Founder und Vorstaendin vom BPW eClub
Founder und GF von Mach mit! Essen gUG

Ich entwickle und fuehre nachhaltige Strukturen fuer gesunde Ernaehrung, Klimaverantwortung und gesellschaftliche Teilhabe.

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