Mein Weg – Mandy Hindenburg
Werdegang

Mein Weg.

Mein Weg verlief nie in einer geraden Linie, und genau das macht ihn zu meinem Weg. Von einem gepackten Koffer in Mecklenburg-Vorpommern bis in den Rat der Stadt Essen liegen viele Stationen, manche erfolgreich, manche nicht, aber jede einzelne hat mich näher zu dem gebracht, was ich heute tue. Hier erzähle ich, wie aus einer Ausbildung zur Hotelfachfrau, über Jahre als Unternehmensberaterin und Netzwerkerin, schließlich die Frau wurde, die heute Bücher schreibt, eine Stiftung führt und Politik macht, immer mit demselben Antrieb, Menschen etwas Gutes zu tun und Strukturen zu schaffen, die wirklich tragen.

Stationen

Von der Nordsee bis in den Rat der Stadt Essen.

Fünf Lebensabschnitte, die zusammen den Weg ergeben, den ich heute gehe, jeder mit seiner eigenen Geschichte, seinen eigenen Lektionen, und seiner eigenen Bedeutung für das, was daraus wurde.

1997 bis 2006

Die Jahre im Hotelfach

Meine Geschichte beginnt nicht in einem Hotel, sondern mit einem gepackten Koffer. Mit sechzehn Jahren verließ ich mein Zuhause in Mecklenburg-Vorpommern, um an der Nordsee eine Ausbildung zu beginnen, ein Schritt, den ich mir so nie selbst ausgesucht hätte. Eigentlich hatte ich mir vorgestellt, Chemielaborantin zu werden, eine Welt aus Laboren und Formeln, denkbar weit entfernt von einem Beruf, in dem es täglich um Menschen geht. Doch das Schicksal hatte etwas anderes mit mir vor, und so begann ich von 1997 bis 2000 meine Ausbildung zur Hotelfachfrau in Horumersiel, im hohen Norden Niedersachsens, wo das Meer den Takt vorgibt und Gastfreundschaft keine Floskel ist, sondern tägliche Praxis.

Im Rückblick war genau das der richtige Weg für mich. Schon hier merkte ich, wie sehr es mich erfüllt, Menschen etwas Gutes zu tun, ihnen Momente zu organisieren, die lange in Erinnerung bleiben, und wie viel Vielfältigkeit ein einziger Arbeitstag im Gastgewerbe bereithalten kann.

Nach der Ausbildung startete ich meine Karriere im touristischen Bereich, zunächst in Eschborn bei Frankfurt als Empfangsmitarbeiterin und ganz normale Einsteigerin in einem großen Haus. Der Umzug nach Nordrhein-Westfalen führte mich in die Nähe von Düsseldorf, wo ich wieder am Empfang begann und schon nach kurzer Zeit zur stellvertretenden Empfangsleitung aufstieg. Ich blieb im Hotelfach, weil ich es liebte, Menschen schöne Momente in ihrem Urlaub zu bereiten, und weil mich viele Stammgäste über Jahre begleiteten, ganz gleich, in welchem Haus ich gerade arbeitete.

Für ein Jahr unterbrach ich diesen Weg bewusst, um in einer Personalagentur den Bereich der gewerblichen Personalvermittlung kennenzulernen, bis Dezember 2004. 2005 und 2006 übernahm ich in Rheinland-Pfalz die Leitung eines eigenen Hauses mit hundertdreißig Betten, bis dahin der größte Schritt meiner touristischen Laufbahn. Mit 26 Jahren, auf dem Höhepunkt dieser Entwicklung, traf ich die bewusste Entscheidung, das Hotelfach zu verlassen. Ich hatte erreicht, was in dieser Branche für mich möglich war, spürte aber den Wunsch, mich neu zu justieren und einen anderen Weg einzuschlagen.

2006 bis 2007

Der erste Schritt in die Selbstständigkeit

2006 zog ich zurück nach Nordrhein-Westfalen und fand in Essen meine neue Heimat. Auch damals wusste ich noch nicht, dass es so bleiben würde, aber ich fasste sehr schnell und sehr gut Fuß und fühlte mich von Anfang an wohl.

Es folgte eine Findungsphase mit mehreren Etappen, von einer Stelle als Assistentin der Geschäftsführung bis zu dem Versuch, eine eigene Eventagentur aufzubauen. Dieses erste unternehmerische Kapitel ging nicht auf, ich musste die Agentur wieder aufgeben, aber die Erfahrung zeigte mir, wie sehr ich es liebe, Dinge selbst zu gestalten, anstatt nur zu verwalten. Diese Lektion sollte mich nie wieder verlassen. Über verschiedene weitere Stationen fand ich schließlich meinen Weg in das Feld der Unternehmensberatung.

2007 bis 2019

Unternehmensberaterin und Netzwerkerin

Im November 2007 fand ich über erste Kontakte im Bereich der Unternehmensberatung meinen nächsten großen Wirkungskreis. In den folgenden Jahren arbeitete ich für verschiedene Finanzhäuser, bevor ich schließlich mit der VMG Unternehmensberatung in Essen meine eigene Struktur aufbaute und als Geschäftsführerin verantwortete. Zehn Jahre lang setzte ich darüber die Netto-Lohn-Optimierung in kleinen und mittelständischen Unternehmen um und kümmerte mich um Mitarbeiterbindung, immer mit meinem langjährigen Engagement für Gleichberechtigung, Diversität und Work-Life-Balance im Gepäck. Gemeinsam mit den Unternehmen entwickelten wir Maßnahmen, die Mitarbeitende gezielt förderten, begleiteten und motivierten, getragen von einem starken Netzwerk, das ich parallel aufbaute.

Genau dieses Netzwerken wurde in diesen Jahren zu einem zweiten, ebenso wichtigen Standbein. Ab 2010 war ich Mitglied bei BPW Germany, und von 2011 bis 2019 als Vorstandsvorsitzende des BPW Club Essen verantwortlich dafür, das Netzwerk berufstätiger Frauen in Essen und der Region aufzubauen und zu etablieren. Acht Jahre lang organisierte ich Clubabende, Ausflüge und Events, vernetzte Mitglieder miteinander und durfte erleben, wie aus gemeinsamen Interessen neue Kooperationen und aus einzelnen Frauen starke Persönlichkeiten wurden.

Parallel dazu engagierte ich mich von 2010 bis 2016 als Beirätin bei Paten für Arbeit in Essen und begleitete über zehn Jahre vier junge Frauen als Mentorin, von der Schule über die Ausbildung bis in den Beruf. Von 2012 bis 2014 rief ich zudem beim ETB Schwarz-Weiss Essen einen eigenen Businessclub ins Leben, mit Veranstaltungen und Themenabenden rund um Jugendförderung, Vernetzung und regionalen Fußball, unter anderem mit über hundertfünfzig Gästen aus dem regionalen Mittelstand und einem Auftritt von Jens Lehmann.

2017 musste ich die VMG Unternehmensberatung aufgrund wirtschaftlicher Veränderungen schließen. Es war das Ende eines zehnjährigen Kapitels, das ich mir so nicht ausgesucht hätte, aber es eröffnete, wie sich später zeigen sollte, den Weg zu etwas Neuem.

2017 bis 2022

Der Weg zur eigenen Berufung

Was ich bisher nur am Rande erzählt habe, ist, was wirklich hinter dem Ende der VMG steckte. Es war nicht allein eine wirtschaftliche Entscheidung, sondern das Zusammentreffen von drei Dingen gleichzeitig, dem Ende meines Unternehmens, einer privaten Extremsituation und einer Erkrankung, die ich nicht hatte vorhersehen können. Zusammen führte das zu einer privaten Insolvenz und zu Jahren, in denen ich zunächst lernen musste, dieses Scheitern überhaupt anzuerkennen, bevor ich lernen konnte, es durchzustehen.

Diese Zeit war unfassbar schwer, sie zog mich immer wieder nach unten, fast wie eine ständige Strömung, während ich gleichzeitig versuchte, die Nase über der Wasseroberfläche zu behalten. Und doch habe ich mich genau in dieser Phase weitergebildet, an mich selbst geglaubt und begonnen, neue Visionen für meine Zukunft zu entwickeln, statt mich von der Situation definieren zu lassen. Im Rückblick bin ich stolz darauf, dass ich diese Jahre genutzt habe, um nach vorne zu blicken, und dass ich dabei verstanden habe, in welcher Lage viele Menschen sich befinden, ohne dass es jemand von außen sieht.

Weiterbildung bedeutete in dieser Zeit vor allem eines, mich endlich fachlich mit dem Thema zu vertiefen, das mich eigentlich schon getragen hatte, seit ich mit sechzehn Jahren mein Elternhaus verlassen hatte, die Verbindung von gesunder Ernährung und Klimaverantwortung. Ich absolvierte eine Ausbildung zur Ernährungsberaterin und später meinen Bachelor als Ernährungsfachwirtin, aus echtem persönlichem Interesse, nicht aus beruflichem Kalkül. Diese Lebensart hatte ich längst in meine Netzwerke und mein persönliches Umfeld getragen, und seit meinem ersten Buch im Jahr 2017 auch in meine Kochbücher. Auch wenn daraus später keine klassische Beratungspraxis wurde, hat mir gerade diese fachliche Vertiefung in einer Phase der Selbstfindung ein Fundament gegeben, das bis heute trägt, und das war es wert.

Praktisch bedeutete das, dass ich zunächst ins Angestelltenverhältnis zurückkehrte und mich in drei unterschiedlichen Unternehmen versuchte, ein Weg, der mir als unternehmerisch denkendem Menschen nicht leichtfiel. Die erste Station löste sich rasch wieder auf, in einem Konzern fand ich mich mit meiner Art zu arbeiten nicht zurecht und war dort sehr unglücklich. Deutlich besser passte die Zeit in einer Steuer- und Wirtschaftskanzlei, wo ich von August 2018 bis Mai 2021 als Office- und Digitalisierungsmanagerin Prozesse rund um Büroorganisation, Digitalisierung, Kundenaufbau und Personalentwicklung im Bereich digitale Teilhabe aufbauen durfte, eine Zeit, die mich fachlich sehr bereicherte. Anschließend wechselte ich für rund zehn Monate in ein Start-up, das Unternehmensprozesse zusammenführte und Firmen aufkaufte, fachlich ein spannendes Feld, doch die Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung passte nicht zu meiner Arbeitsweise, sodass dieses Kapitel früh endete.

Genau in dieser Zeit, im Januar 2020, gründete ich mit dem BPW eClub ein neues, virtuelles Kapitel meines Netzwerkengagements, ortsunabhängig und offen für Frauen aus ganz Deutschland, als Fortsetzung dessen, was ich beim BPW Club Essen begonnen hatte. Es war dieser eine Bereich, der über alle beruflichen Umwege hinweg konstant blieb.

Das Ende des Start-up-Kapitels wurde rückblickend zum Wendepunkt. Ich nahm mir bewusst Zeit für einen Findungsprozess, eine kleine Auszeit, um herauszufinden, wofür mein Herz wirklich schlägt. In dieser Zeit füllte ich meine bereits nebenbei gegründete Verlagsfirma Life & Food Farm mit eigenen Büchern, schrieb, reflektierte und fand in diesem Schreiben meine eigentliche Berufung. Von diesem Punkt an gab es kein Zurück mehr, nur noch die Richtung, in die ich mich seitdem bewege.

Aus dieser Zeit habe ich auch verstanden, wer ich bin. Ich bin ein hochsensibler Mensch, und genau diese Feinfühligkeit ist eine meiner größten Stärken geworden, weil sie mir hilft, andere Menschen und ihre Situationen wirklich zu verstehen. Gleichzeitig steckt in mir ein Ehrgeiz und eine Tatkraft, die mich selbst in den schwersten Phasen getragen haben. Das Leben lässt sich selten verändern, wohl aber die Art, wie wir mit ihm umgehen, und genau darin sehe ich seither meine Aufgabe, andere Menschen zu ermutigen, trotzdem zu handeln, auch wenn es schwer ist.

2022 bis heute

Der große Aufbruch

Seit 2022 ist Life & Food Farm mein eigener, klimaneutraler Verlag, über den ich seither alle meine Bücher veröffentliche, Kochbücher mit regionalen und saisonalen Rezepten ebenso wie Ratgeber zu nachhaltigem Konsum und der Vermeidung von Lebensmittelverschwendung. 2023 erweiterte ich mein Netzwerk um die ZukunftsMacher und Slow Food, zwei Gemeinschaften, die meine Themen rund um Ernährung und Nachhaltigkeit auf ganz unterschiedlichen Ebenen weitertragen.

2025 wurde zum bislang dichtesten Jahr meines Weges. Im Februar gründete ich die vilaron Stiftung und übernehme seither ehrenamtlich deren Vorsitz, mit dem Ziel, Kindern und ihren Familien praktische Fähigkeiten für eine gesunde und nachhaltige Ernährung zu vermitteln und langfristig eine Generation heranwachsen zu lassen, die ihre Umwelt aktiv mitgestaltet. Im April trat ich als Spitzenkandidatin für Volt Essen zur Kommunalwahl an, mit dem Ziel einer nachhaltigen, sozialen und zukunftsorientierten Stadtpolitik. Im August übernahm ich zusätzlich in Teilzeit die Geschäftsführung von Life & Food Farm, um den Verlag professionell weiterzuentwickeln. Und im November 2025 zog ich schließlich als Ratsfrau für Volt in den Rat der Stadt Essen ein, wo ich mich seither im Kulturausschuss, im Ausschuss für Digitalisierung, Personal, Organisation und Gleichstellung sowie im Ausschuss für Umwelt, Klima und Verbraucherschutz für eine ökologisch, sozial und ökonomisch nachhaltige Stadtentwicklung einsetze.

Auch 2026 setzte sich dieser Schwung fort. Im Mai gründete ich mit Mach mit! Essen gUG einen weiteren Baustein meines Engagements, einen Think und Do Tank für gesellschaftliche Teilhabe in Essen, der Menschen zusammenbringt und konkrete Projekte anstößt, statt nur Ideen zu diskutieren, ganz im Sinne meines Grundsatzes, nicht mehr zuzuschauen, sondern zu handeln.

Wenn ich auf diesen Weg zurückblicke, von Mecklenburg-Vorpommern bis in den Rat der Stadt Essen, dann sehe ich keine geraden Linien, sondern lauter Stationen, in denen ich lernen musste, was zu mir passt und was nicht. Jede einzelne davon, auch die, die nicht aufgegangen sind, hat mich zu der Frau gemacht, die heute nicht mehr zuschaut, sondern handelt.

Lust auf Austausch?

Wenn dich einzelne Stationen meines Weges besonders ansprechen oder du gemeinsam mit mir etwas bewegen möchtest, freue ich mich auf den Kontakt.

kontakt (at) mandy-hindenburg.de
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