ZukunftsTisch: Weil Ernährung uns alle angeht

Stell dir einen Tisch vor, an dem eine Landwirtin, eine Kitaleitung, ein Küchenchef und jemand sitzen, der schlicht wissen will, wie er seine Familie gesund und bezahlbar satt bekommt. Kein Impulsvortrag, nach dem alle nach Hause gehen und sich fragen, was jetzt. Sondern eine Runde, aus der etwas entsteht. Das ist der ZukunftsTisch Essen, den ich gemeinsam mit Elita Wiegand und den Zukunftsmachern als offenes Netzwerk aufbaue, getragen von der vilaron Stiftung. Der Grund dafür ist simpel: Bio darf kein Privileg sein.

Grafik mit dem Titel „ZukunftsTisch: Weil Ernährung uns alle angeht" zum Blogbeitrag von Mandy Hindenburg über bezahlbare und regionale Ernährung in Essen

Das Wichtigste in Kürze

  • In Nordrhein-Westfalen konnten sich 13,3 Prozent der Menschen im Jahr 2024 nicht wenigstens jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit leisten, 2023 waren es noch 15,8 Prozent [1].
  • Die Preise für Nahrungsmittel stiegen 2022 um 14,6 Prozent und 2023 um 13,0 Prozent, 2024 nur noch um 1,4 Prozent [1].
  • Ende 2024 wurden in Deutschland 11,5 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche ökologisch bewirtschaftet, das Ziel der Bundesregierung liegt bei 30 Prozent bis 2030 [2][3].
  • Die Ökofläche wuchs 2024 um 1,3 Prozent, das Thünen-Institut hält dieses Tempo für deutlich zu langsam, um das Ziel zu erreichen [2].
  • Rund 2,9 Millionen Kinder nutzen täglich das Mittagessen in einer Kita, ab 2030 sollen die DGE-Qualitätsstandards für Kita- und Schulverpflegung verbindlich werden [4][5].

Bio hat in Deutschland kein Überzeugungsproblem, sondern ein Zugangsproblem

Der Ökolandbau wächst in Deutschland viel zu langsam für die eigenen Ziele, und das liegt nicht an fehlender Zustimmung in der Bevölkerung. Ende 2024 wirtschafteten 35.881 Betriebe ökologisch, das sind 14,1 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe. Sie bewirtschafteten 1,91 Millionen Hektar oder 11,5 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche [2]. Das Ziel der Bundesregierung sind 30 Prozent bis 2030, festgeschrieben in der Bio-Strategie 2030 mit dreißig Einzelmaßnahmen [3]. Die europäische Farm-to-Fork-Strategie setzt für die gesamte EU 25 Prozent an [6].

Zwischen 11,5 und 30 Prozent liegen sechs Jahre. Im Jahr 2024 wuchs die Ökofläche um 1,3 Prozent. Das Thünen-Institut, das die Bundesregierung in diesen Fragen berät, bewertet dieses Tempo als deutlich zu langsam [2].

Der Grund liegt selten beim einzelnen Betrieb. Umstellung braucht Abnehmer, Verarbeitung braucht Menge, Menge braucht verlässliche Nachfrage. Wo diese Kette fehlt, bleibt Bio ein Nischenprodukt im Regal und wird genau deshalb teuer. Wer Bio bezahlbar machen will, muss also nicht beim Preisschild ansetzen, sondern bei der Struktur dahinter.

Ernährungsarmut ist in NRW keine Vermutung, sondern messbar

In Nordrhein-Westfalen konnte sich im Jahr 2024 rund jede achte Person nicht wenigstens jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit leisten [1]. Der Wert lag bei 13,3 Prozent und damit unter dem Vorjahreswert von 15,8 Prozent, aber immer noch über dem Niveau von 2021 [1].

Ein Blick auf die Preisentwicklung erklärt viel: 2022 stiegen die Nahrungsmittelpreise um 14,6 Prozent, 2023 um 13,0 Prozent, 2024 nur noch um 1,4 Prozent [1]. Die Belastung ist also gesunken, weil der Preisdruck nachgelassen hat, nicht weil sich an den Strukturen etwas geändert hätte.

Das ist der Punkt, an dem ich als Ernährungsfachwirtin und als Kommunalpolitikerin dieselbe Schlussfolgerung ziehe. Wenn jede achte Person Abstriche beim Essen macht, ist eine Ernährungswende, die auf individuelle Kaufentscheidungen setzt, nicht nur unwirksam. Sie ist ungerecht. Sie verlangt genau von denen die größte Anstrengung, die den kleinsten Spielraum haben.

Der größte Hebel liegt in Kita, Schule und Kantine

Gemeinschaftsverpflegung erreicht täglich Millionen Menschen unabhängig von deren Einkommen und ist damit der wirksamste Ort, um gute Ernährung zu demokratisieren. Allein in Kitas nutzen rund 2,9 Millionen Kinder täglich das Mittagsangebot [4]. Wer dort etwas verändert, verändert es für alle Kinder in dieser Einrichtung, nicht nur für die aus Haushalten mit Budget für den Biomarkt.

Die Rahmenbedingungen dafür verbessern sich gerade. Nach der Ernährungsstrategie des Bundes sollen die Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung ab 2030 für die Verpflegung in Kitas und Schulen verbindlich werden [5]. Parallel fördert der Bund Einrichtungen, die ihren Bio-Anteil auf mindestens 30 Prozent des monetären Wareneinsatzes anheben wollen: Bis zu 80 Prozent der Beratungskosten werden übernommen, bei Kitas und Schulen mit eigener Küche bis zu 90 Prozent, maximal 35.000 Euro [7].

Diese Förderung steht auch Essener Einrichtungen offen. Sie wird nur zu selten genutzt, weil zu wenige wissen, dass es sie gibt. Das ist eine der Lücken, die ein Netzwerk schließen kann und eine Verwaltung allein nicht schließt.

Was der ZukunftsTisch konkret macht

Der ZukunftsTisch ist kein Veranstaltungsformat mit Publikum, sondern eine Arbeitsstruktur mit Ergebnissen. Er ist ein Spin-off der „Zukunft der Ernährung” und stellt das Thema breiter auf: Dialog ja, aber immer mit einer Umsetzung dahinter.

Zwei Schwerpunkte stehen am Anfang.

Bio für alle. Wie kommen bezahlbare, regionale Lebensmittel in Haushalte, Kitas, Schulen und Senioreneinrichtungen? Konkret heißt das: Abnahmemengen bündeln, Ausschreibungen so schreiben, dass regionale Betriebe überhaupt mitbieten können, und die vorhandenen Förderungen tatsächlich abrufen.

Fast Food neu denken. Schnelles Essen ist kein Fehler, es ist Alltag. Die Frage ist, ob es auch regional, klimafreundlich und trotzdem gut sein kann. Wer dazu etwas beitragen kann, ist an diesem Tisch richtig.

Hinweis vor der Veröffentlichung: Hier gehören eigene Zahlen hin, sobald sie vorliegen: Datum des ersten ZukunftsTisches, Zahl der beteiligten Organisationen, Zahl der bisherigen Klimafrühstücke. Eigene Zahlen sind der Teil, den es nur bei dir gibt, und genau der wird von Suchmaschinen und KI-Systemen bevorzugt zitiert.

Wie du mitmachst

SchrittAufwandWirkung
Am ZukunftsTisch teilnehmenEin AbendDu triffst Landwirtschaft, Küche, Verwaltung und Wissenschaft an einem Tisch
Deine Kita oder Schule auf die Bio-Beratungsförderung hinweisenEine E-MailBis zu 90 Prozent der Beratungskosten werden übernommen [7]
Einmal im Monat regional und saisonal einkaufenEin VormittagVerlässliche Nachfrage ist die Voraussetzung für Umstellung
Ein Klimafrühstück ausrichtenEin VormittagErnährungsbildung, die niemanden belehrt
Eine Idee oder ein Projekt einbringen10 Minuten schreibenAus Ideen werden Projekte, sobald jemand davon weiß
Als Betrieb Abnahmemengen zusagenEin GesprächPlanbare Mengen sind das, woran Umstellung meistens scheitert

Häufige Fragen

Was ist der ZukunftsTisch?

Ein offenes Netzwerk für gesunde, bezahlbare und regionale Ernährung, das ich gemeinsam mit Elita Wiegand und den Zukunftsmachern aufbaue, getragen von der vilaron Stiftung. Es verbindet Dialogformate mit konkreter Umsetzung, von der Erzeugung über die Gemeinschaftsverpflegung bis zum Haushalt.

Warum ist Bio oft teurer?

Weil die Menge fehlt. Ende 2024 wurden in Deutschland 11,5 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche ökologisch bewirtschaftet [2]. Ohne verlässliche Abnahme lohnt sich für Verarbeitung und Handel keine Skalierung, und ohne Skalierung bleibt der Preis hoch. Der Hebel liegt bei Struktur und Nachfrage, nicht bei Appellen.

Wie viele Menschen können sich gesunde Ernährung nicht leisten?

In Nordrhein-Westfalen gaben 2024 rund 13,3 Prozent der Bevölkerung an, sich nicht mindestens jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit leisten zu können. Im Jahr zuvor waren es 15,8 Prozent [1]. Das entspricht ungefähr jeder achten Person.

Was ändert sich 2030 für Kitas und Schulen?

Nach der Ernährungsstrategie des Bundes sollen die DGE-Qualitätsstandards ab 2030 für die Verpflegung in Kitas und Schulen verbindlich sein [5]. Bis dahin bleibt viel zu tun, insbesondere bei der Bezahlbarkeit des Mittagessens und beim Aufbau regionaler Lieferstrukturen.

Wer kann beim ZukunftsTisch mitmachen?

Alle. Landwirtschaft, Handel, Gastronomie, Kitas, Schulen, Wissenschaft, Verwaltung, Initiativen und Menschen ohne Fachhintergrund, die eine Frage oder eine Idee mitbringen. Es gibt keine Zugangsvoraussetzung außer der Bereitschaft, an einer Umsetzung mitzuarbeiten.

Meine Einladung

Ernährung ist kein Luxus und keine reine Privatsache. Sie ist Gesundheit, Wirtschaft, Klima und Zusammenhalt in einem, und sie entscheidet sich nicht am Regal, sondern an den Strukturen davor.

Wenn du eine Idee hast, ein Projekt anstoßen willst oder einfach neugierig bist, dann melde dich. Alle Termine findest du künftig auf meiner Website, die Übersicht wird laufend gefüllt.

„Ernährung ist der Hebel, der Gesundheit, Gemeinschaft und Klima verbindet. Lasst uns gemeinsam daran drehen.”

Und du? Was fehlt dir in Essen, damit gute Ernährung für dich selbstverständlich wird? Schreib mir, ich bringe es an den Tisch.

Quellen

  1. Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW): Fast jede achte Person kann sich nicht jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit leisten, Daten aus EU-SILC im Mikrozensus, Bezugsjahr 2024
  2. Thünen-Institut: Aktuelle Trends der deutschen Ökobranche, Stand Ende 2024, thuenen.de, abgerufen am 03.08.2026
  3. Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat: Bio-Strategie 2030, Nationale Strategie für 30 Prozent ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft bis 2030
  4. Deutsche Gesellschaft für Ernährung: DGE-Qualitätsstandard für die Verpflegung in Kitas, Ausgabe 2023
  5. Ernährungsstrategie der Bundesregierung, Vorgaben zur Gemeinschaftsverpflegung ab 2030, dargestellt bei oekolandbau.de, abgerufen am 03.08.2026
  6. Umweltbundesamt: Ökologischer Landbau, Ziele von Bund und EU, umweltbundesamt.de, abgerufen am 03.08.2026
  7. Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat: Mehr Bio in Restaurants, Kantinen und Mensen, Förderkonditionen der Beratung, bmleh.de, abgerufen am 03.08.2026

Über mich

Deine Mandy Hindenburg

Stadträtin für Volt Essen, Ratsgruppe Volt & Die PARTEI
City Lead für Partnership & Kommunikation für Volt Team Essen
Geschäftsführerin bei Die Life & Food Farm
Founder I Vorständin der vilaron Stiftung
Founder I Vorständin vom BPW eClub
Founder I GF von Mach mit! Essen gUG

Ich entwickle und führe nachhaltige Strukturen für gesunde Ernährung, Klimaverantwortung und gesellschaftliche Teilhabe.

PS: Du hast eine Idee, ein Projekt oder einfach Lust mitzumachen? Dann schreib mir. Ich freue mich auf deine Impulse und deine Fragen.

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