Die Küche ist der Ort, an dem sich unser Konsum konzentriert. Hier wird gekocht, gelagert, weggeworfen. In der aktuellen Folge von „vilaron voice” spreche ich darüber, wie eine Zero-Waste-Küche schrittweise entsteht, ohne dass man Perfektion anstreben muss. Und der Zeitpunkt passt: Am 12. August 2026 wird die neue EU-Verpackungsverordnung unmittelbar anwendbar. Danach ändert sich einiges an dem, was überhaupt im Regal steht.

Das Wichtigste in Kürze
- In Deutschland fielen 2023 rund 17,9 Millionen Tonnen Verpackungsabfall an, das entspricht 215,19 Kilogramm pro Kopf [1].
- Der EU-Durchschnitt liegt bei etwa 178 Kilogramm pro Kopf. Deutschland steht damit EU-weit an dritter Stelle und erzeugt absolut die größte Menge [1][2].
- Die Recyclingquote bei Verpackungen stieg 2023 auf 69,4 Prozent [3].
- Bei Kunststoffverpackungen muss das Recycling um 2,8 Prozentpunkte steigen, um die EU-Vorgaben für 2030 zu erfüllen [1].
- Die EU-Verpackungsverordnung (EU) 2025/40 gilt ab dem 12. August 2026 unmittelbar und sieht bis 2030 eine Minderung des Pro-Kopf-Verbrauchs um 5 Prozent vor [1].
Wie viel Verpackung wir tatsächlich verbrauchen
Deutschland produziert die größte Menge Verpackungsabfall in der EU, und pro Kopf liegen wir rund ein Fünftel über dem europäischen Durchschnitt. Im Jahr 2023 fielen 17,9 Millionen Tonnen an, das sind 215,19 Kilogramm pro Kopf gegenüber etwa 178 Kilogramm im EU-Schnitt [1]. In der Pro-Kopf-Rangfolge liegt Deutschland damit an dritter Stelle hinter Irland und Italien, bei der absoluten Menge an erster [2].
Die gute Nachricht steht daneben: Der Verbrauch ist 2023 um 5,8 Prozent gesunken, das sind 13,3 Kilogramm weniger pro Kopf als im Vorjahr [3]. Gegenüber 2018, als der Pro-Kopf-Verbrauch bei 227,5 Kilogramm lag, beträgt die Minderung 5,4 Prozent [1].
Wichtig zur Einordnung: Diese Zahlen erfassen nicht nur Haushalte, sondern allen in Deutschland anfallenden Verpackungsmüll, also auch Industrie und Handel [2].
Recycling ist besser als sein Ruf und trotzdem keine Lösung
Die Recyclingquote in Deutschland ist hoch, aber sie beantwortet die Frage nicht, denn recycelt wird nur, was vorher hergestellt wurde. 2023 stieg die Recyclingquote bei Verpackungen auf 69,4 Prozent [3]. Damit liegen die Quoten bei allen Materialien über den Vorgaben für 2025. Bei Kunststoffverpackungen sind allerdings noch 2,8 Prozentpunkte nötig, um die Ziele für 2030 zu erreichen, alle anderen Materialien haben sie bereits erfüllt [1].
Kunststoff bleibt also der Engpass. EU-weit lag die Recyclingquote für Kunststoffverpackungen 2023 bei 42,1 Prozent, von 35,3 Kilogramm Kunststoffverpackungsabfall pro Kopf wurden 14,8 Kilogramm recycelt [2].
Ich schreibe das bewusst so genau, weil beide verbreiteten Aussagen ungenau sind. „Fast nichts wird recycelt” stimmt nicht. „Recycling löst das Problem” aber auch nicht. Der Hebel liegt weiter oben: Was gar nicht erst als Verpackung entsteht, muss auch nicht verwertet werden. Genau deshalb setzt die neue EU-Verpackungsverordnung nicht am Recycling an, sondern an der Minderung des Verbrauchs [1].
Lebensmittelabfälle: die Zahl, die oft falsch zitiert wird
In Deutschland fielen 2023 rund 10,9 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle an, davon etwa 58 Prozent in privaten Haushalten [4]. Das entspricht rund 74,5 Kilogramm pro Kopf, wobei sich dieser Wert auf den Anteil aus privaten Haushalten bezieht, nicht auf die Gesamtmenge [5].
Und dazu gehört eine Einschränkung, die ich in einem eigenen Beitrag ausführlicher beschreibe: Die amtliche Erhebung erfasst Verluste vor und während der Ernte oder Schlachtung nicht, weil diese rechtlich nicht als Lebensmittel gelten [4]. Der hohe Haushaltsanteil ist also korrekt gemessen und beschreibt trotzdem nur einen Ausschnitt.
Für die eigene Küche ändert das nichts. Es ändert nur den Ton: Der Anteil, den wir zu Hause beeinflussen, ist groß genug, um sich zu lohnen, und klein genug, dass niemand die Verantwortung für das ganze System allein tragen muss.
Was Zero Waste wirklich bedeutet
Zero Waste heißt nicht, gar keinen Müll mehr zu produzieren. Es heißt, bewusster zu konsumieren und Abfall so weit wie möglich zu reduzieren.
Drei Missverständnisse halten Menschen am häufigsten davon ab:
Erstens: Es müsse vollständig sein. Muss es nicht. Jede vermiedene Verpackung zählt, und ein schrittweiser Weg hält länger als ein radikaler Start.
Zweitens: Es sei teuer. Wiederverwendbare Produkte kosten einmal mehr und danach nichts mehr. Und das größte Sparpotenzial liegt ohnehin bei den Lebensmitteln, die nicht mehr im Müll landen.
Drittens: Recycling reiche aus. Die Zahlen oben zeigen, warum nicht. Kunststoff ist genau das Material, bei dem die Quote am schwersten zu steigern ist [1][2].
Was sich ab August 2026 ändert
Die EU-Verpackungsverordnung (EU) 2025/40 gilt ab dem 12. August 2026 unmittelbar in allen Mitgliedstaaten und sieht bis 2030 eine Minderung des Pro-Kopf-Verbrauchs an Verpackungsabfall um 5 Prozent vor [1].
Dazu kommt eine Regel, die es schon länger gibt und die zu selten genutzt wird: Seit dem 1. Januar 2023 gilt die Mehrwegangebotspflicht nach dem Verpackungsgesetz. Wer Getränke oder Speisen in Einwegkunststoff zum Mitnehmen verkauft, muss dieselbe Ware auch in Mehrweg anbieten, und nicht teurer. Kleine Betriebe mit höchstens fünf Beschäftigten und maximal 80 Quadratmetern Verkaufsfläche sind ausgenommen, müssen aber mitgebrachte Behälter befüllen [6].
Das heißt: Der eigene Becher ist kein Sonderwunsch, sondern ein Anspruch.
Der praktische Teil
Ein nachhaltiger Wandel beginnt klein. Was sich bei mir bewährt hat:
Eine Woche lang den eigenen Müll dokumentieren. Nicht zählen, nur hinschauen. Fast immer zeigt sich ein Muster, meist drei bis vier Produkte, die den Großteil ausmachen.
Lagerung prüfen. Falsche Lagerung ist einer der häufigsten Wegwerfgründe, und Glas- oder Edelstahlbehälter verlängern nicht nur die Haltbarkeit, sie ersetzen auch Folie.
Reste als eigene Mahlzeit einplanen. Aus Gemüseresten wird Suppe, aus altem Brot ein Auflauf oder Croutons. Das ist keine Notlösung, sondern Küche.
Bei Reinigung und Pflege auf Einweg verzichten. Spültücher aus Baumwolle statt Einwegschwämme, Essig und Natron statt Spezialreiniger für jede Oberfläche.
Ein Punkt aus der Erstfassung fehlt hier bewusst: Ich hatte geschrieben, beschichtete Pfannen gäben mit der Zeit Mikroplastik ab. Eine belastbare Quelle dafür habe ich nicht gefunden. Belegt ist etwas anderes und ausreichend: Unbeschichtete Pfannen aus Gusseisen oder Edelstahl halten deutlich länger und müssen seltener ersetzt werden.
Was du konkret tun kannst
| Schritt | Aufwand | Wirkung |
|---|---|---|
| Eine Woche lang aufschreiben, was du wegwirfst | 5 Minuten täglich | Macht das eigene Muster sichtbar, meist sind es wenige Produkte |
| Mehrweg beim Take-away einfordern | Ein Satz an der Theke | Die Pflicht besteht seit 2023, sie wird zu selten genutzt [6] |
| Eigenen Behälter mitnehmen | Einmal einpacken | Auch kleine Betriebe müssen ihn befüllen [6] |
| Lose Ware statt vorverpackter kaufen | Ein Einkauf | Deutschland liegt bei 215 Kilogramm pro Kopf [1] |
| Vorratshaltung und Lagerung einmal neu sortieren | Ein Nachmittag | Falsche Lagerung ist ein Hauptgrund fürs Wegwerfen |
| Zwei langlebige Produkte statt vieler Einwegprodukte kaufen | Eine Anschaffung | Rechnet sich meist innerhalb eines Jahres |
Häufige Fragen
Wie viel Verpackungsmüll entsteht in Deutschland?
Im Jahr 2023 waren es 17,9 Millionen Tonnen, das entspricht 215,19 Kilogramm pro Kopf. Der EU-Durchschnitt liegt bei etwa 178 Kilogramm. Deutschland erzeugt damit absolut die größte Menge in der EU und liegt pro Kopf an dritter Stelle [1][2].
Wird Verpackungsmüll in Deutschland recycelt?
Zu einem großen Teil ja. Die Recyclingquote bei Verpackungen lag 2023 bei 69,4 Prozent [3]. Bei Kunststoffverpackungen sind allerdings noch 2,8 Prozentpunkte nötig, um die EU-Ziele für 2030 zu erreichen [1]. EU-weit lag die Quote für Kunststoffverpackungen bei 42,1 Prozent [2].
Was ändert sich durch die neue EU-Verpackungsverordnung?
Die Verordnung (EU) 2025/40 gilt ab dem 12. August 2026 unmittelbar und sieht bis 2030 eine Minderung des Pro-Kopf-Verbrauchs um 5 Prozent vor [1]. Sie setzt damit nicht am Recycling an, sondern am Verbrauch selbst.
Muss mir jedes Café Mehrweg anbieten?
Seit dem 1. Januar 2023 gilt die Mehrwegangebotspflicht für Getränke und Speisen in Einwegkunststoff, ohne Aufpreis. Betriebe mit höchstens fünf Beschäftigten und maximal 80 Quadratmetern Verkaufsfläche sind ausgenommen, müssen aber mitgebrachte Behälter befüllen [6].
Wie viele Lebensmittel werden in Deutschland weggeworfen?
Im Jahr 2023 rund 10,9 Millionen Tonnen entlang der gesamten Versorgungskette, davon etwa 58 Prozent in privaten Haushalten [4]. Der oft genannte Wert von 74,5 Kilogramm pro Kopf bezieht sich auf den Anteil aus privaten Haushalten [5].
Zum Schluss
Eine Zero-Waste-Küche entsteht nicht durch eine große Umstellung, sondern durch mehrere kleine, die bleiben. Und sie entsteht leichter, wenn man weiß, welche Regeln auf der eigenen Seite stehen.
Und du? Welche Herausforderung begegnet dir bei der Umsetzung am häufigsten? Schreib es mir, ich sammle die Antworten für eine Folgeepisode.
👉 Jetzt reinhören bei „vilaron voice”:
https://vilaron-voice-podcast.podigee.io/51-neue-episode
Quellen
- Umweltbundesamt: Verpackungsverbrauch erneut gesunken, Recyclingquoten gestiegen, mit Angaben zu Pro-Kopf-Verbrauch, EU-Vergleich und EU-Verpackungsverordnung — https://www.umweltbundesamt.de/themen/verpackungsverbrauch-erneut-gesunken
- Statistisches Bundesamt: Müll und Recycling, EU-Abfallstatistik, mit Pro-Kopf-Vergleich der Mitgliedstaaten — https://www.destatis.de/Europa/DE/Thema/Umwelt-Energie/Muell_und_Recycling.html
- Umweltbundesamt: Verpackungsverbrauch 2023 gesunken, Recyclingquote gestiegen — https://www.umweltbundesamt.de/themen/verpackungsverbrauch-2023-gesunken-recyclingquote
- Umweltbundesamt: Lebensmittelabfälle, Datenlage und Methodik der Erhebung — https://www.umweltbundesamt.de/themen/abfall-ressourcen/abfallwirtschaft/abfallvermeidung/lebensmittelabfaelle
- Zu gut für die Tonne, Initiative des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat: Lebensmittelabfälle in Zahlen — https://www.zugutfuerdietonne.de/unsere-strategie/lebensmittelabfaelle-in-zahlen
- Verpackungsgesetz (VerpackG), §§ 33 und 34, Mehrwegangebotspflicht seit 1. Januar 2023, Darstellung der Verbraucherzentrale — https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/umwelt-haushalt/abfall/mehrwegangebotspflicht-was-gastronomiebetriebe-jetzt-beachten-muessen-77324
- Umweltbundesamt: Verpackungsabfälle, Recyclingquoten nach Materialien und Zielvorgaben bis 2030 — https://www.umweltbundesamt.de/daten/ressourcen-abfall/verwertung-entsorgung-ausgewaehlter-abfallarten/verpackungsabfaelle
Über mich
Deine Mandy Hindenburg
Stadträtin für Volt Essen, Ratsgruppe Volt & Die PARTEI
City Lead für Partnership & Kommunikation für Volt Team Essen
Geschäftsführerin bei Die Life & Food Farm
Founder I Vorständin der vilaron Stiftung
Founder I Vorständin vom BPW eClub
Founder I GF von Mach mit! Essen gUG
Ich entwickle und führe nachhaltige Strukturen für gesunde Ernährung, Klimaverantwortung und gesellschaftliche Teilhabe.