Essen gestalten, warum jeder Beitrag zählt und wie wir gemeinsam mehr erreichen

Wenn ich durch Essen gehe, sehe ich Möglichkeiten. In Gärten, die brach liegen. An Fassaden, die begrünt werden könnten. Und bei Menschen, die sich fragen, was sie eigentlich tun können, und dabei längst Teil der Lösung sind. Die Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima- und Verbraucherschutz hat mir wieder gezeigt: Die größten Herausforderungen dieser Stadt sind gleichzeitig ihre größten Chancen. Klimaschutz in Essen beginnt nicht im Rathaus, sondern an deiner Haustür.

Das Wichtigste in Kürze

  • Rund 78 Hektar Wald wachsen im Essener Süden auf Felsböschungen und Steilhängen, direkt oberhalb von Straßen, Bahnlinien oder Gebäuden [1].
  • Laut Verwaltungsvorlage im Umweltausschuss sind 870 Bäume in diesen Steilhangwäldern als Risikobäume eingestuft [2].
  • Bäume in europäischen Städten senken die Oberflächentemperatur im Sommer im Mittel um etwa 10 Grad Celsius gegenüber bebauten Flächen, baumlose Grünflächen nur etwa halb so stark [3].
  • 67 Prozent der Menschen in Deutschland fühlen sich in ihrem Wohnumfeld durch Straßenverkehr gestört, die dadurch verursachten Gesundheitskosten beziffert das Umweltbundesamt auf rund 5,1 Milliarden Euro pro Jahr [4][5].
  • Die IGA 2027 läuft von April bis Oktober 2027 in 53 Städten der Metropole Ruhr, erwartet werden rund 2,5 Millionen Besucherinnen und Besucher, Essen bringt unter anderem den Emscherpark 2.7 und den Kanaluferpark ein [6][7].

Steilhangwälder in Essen: Warum Bäume fallen müssen und was danach kommt

Bäume werden in Essen nicht aus Nachlässigkeit gefällt, sondern weil die Stadt für die Sicherheit an Straßen, Wegen und Gebäuden haftet. Im Essener Süden wachsen rund 78 Hektar Wald auf kritischen Felsböschungen und Steilhängen, viele davon oberhalb von Verkehrsinfrastruktur oder Bebauung [1]. Die Stadt stuft Risikobäume in drei Dringlichkeiten ein: Priorität 1 bedeutet sofortige Fällung, Priorität 2 innerhalb von 14 Tagen, Priorität 3 wird der Sommer- oder Winterfällung zwischen dem 1. Oktober und dem 28. Februar zugeordnet [8].

Im Ausschuss sprechen wir über 870 solcher Risikobäume in den Steilhangwäldern [2]. Über Nachpflanzungen, über klimaresistente Baumarten, über langfristige Waldentwicklung. Das ist richtig, und es reicht nicht. Denn jeder gefällte Baum ist ein Stück Kühlung weniger, das die Stadt erst in Jahrzehnten zurückbekommt.

Wie viel dabei auf dem Spiel steht, zeigt eine Untersuchung der ETH Zürich, die für 293 europäische Städte Satellitendaten ausgewertet hat: Wo Bäume stehen, liegt die Oberflächentemperatur im Sommer im Schnitt rund 10 Grad Celsius niedriger als auf bebauten Flächen. Grünflächen ohne Bäume kühlen nur etwa halb so stark [3]. Das Umweltbundesamt kommt in seinen Quartiersimulationen zu einem ähnlichen Bild: Vor allem großkronige Bäume und Verschattung verbessern das Hitzeempfinden im Straßenraum deutlich [9].

Und genau hier kommst du ins Spiel. Ein Obstbaum im Garten trägt nicht nur Früchte, er ist Lebensraum. Eine begrünte Garagenwand filtert Staub und nährt Insekten. Eine Blühwiese statt kurz geschorenem Rasen verbessert das Mikroklima direkt vor deinem Fenster. Eine dreijährige Untersuchung der Technischen Universität München in Würzburg zeigt, wie stark der Hebel ist: Ein Grünflächenanteil von rund 40 Prozent kann den extremen Hitzestress im Sommer halbieren [10]. Das entsteht nicht auf städtischen Flächen allein. Das entsteht in tausenden Vorgärten.

Mit Mach mit! Essen setze ich mich dafür ein, dass solche Projekte nicht nur möglich, sondern einfach werden. Nachhaltigkeit ist kein Luxus, sie ist eine Einladung.

Stadttauben in Essen: Warum Füttern das Gegenteil von Hilfe ist

Wer Stadttauben füttert, vergrößert die Population und untergräbt genau die Maßnahmen, die den Tieren tatsächlich helfen. Die Debatte um die Tauben im Bernetunnel zeigt, wie schnell Hygiene, Sicherheit und Tierwohl in Konflikt geraten. Die Stadt hat Vergrämung, Taubenschläge und Aufklärung eingesetzt. Solange aber unkontrolliert gefüttert wird, bleibt das Problem.

Der fachliche Konsens ist dabei eindeutiger, als die Diskussion vermuten lässt. Das seit 1995 praktizierte Augsburger Modell setzt auf betreute Taubenschläge, artgerechtes Futter, tierärztliche Versorgung und den Austausch der Eier gegen Attrappen. Der Deutsche Tierschutzbund und Landestierschutzstellen bevorzugen diesen Weg gegenüber Vergrämung [11][12]. Eine Auswertung des Bundesverbands Menschen für Tierrechte mit 129 Rückmeldungen aus 71 Städten kommt zu dem Ergebnis, dass das Modell funktioniert, wenn es konsequent umgesetzt wird, und zwar mit ausreichend Schlägen und flankierendem Fütterungsverbot [13].

Konsequent heißt: Ein Taubenschlag nimmt gut 100 Tiere auf, in einer Großstadt braucht es entsprechend viele Standorte, sonst brütet der größte Teil der Population weiter draußen und der Effekt verpufft [13]. Wer außerhalb der Schläge füttert, hält genau diesen Kreislauf am Laufen.

Was das für dich bedeutet:

  • Nicht füttern ist nicht herzlos. Es ist die Voraussetzung dafür, dass die betreuten Schläge überhaupt wirken.
  • Aufklärung ist keine reine Verwaltungsaufgabe. Ein Gespräch mit dem Nachbarn erreicht oft mehr als ein Bußgeldbescheid.
  • Taubenschläge brauchen Standorte. Sie scheitern in vielen Städten nicht am Geld, sondern daran, dass niemand eine Fläche oder ein Dach zur Verfügung stellt [12].

IGA 2027 in Essen: Ein Jahrzehntprojekt, kein Blumenfest

Die Internationale Gartenausstellung 2027 ist für Essen kein Event, sondern eine dauerhafte Investition in Grünflächen, die nach 2027 bleiben. Von April bis Oktober 2027 findet die IGA erstmals dezentral in 53 Städten der Metropole Ruhr statt, rund 2,5 Millionen Gäste werden erwartet [6][7].

Essen bringt mehrere Projekte ein. Das Projekt Emscherpark 2.7 in Karnap hat den dritten IGA-Stern erhalten, das bedeutet: Die Finanzierung ist gesichert und die Umsetzung kann laufen [14]. Dazu kommen der Kanaluferpark im Essener Norden und ein Baubeschluss für rund 700 Meter des IGA-Emscherradwegs, der die Zukunftsgärten von Duisburg bis Bergkamen miteinander verbindet [7][15]. Bei Emscherpark 2.7 gab es bereits 2024 zwei Bürgerbeteiligungsveranstaltungen zu Biodiversität, Aufenthaltsqualität und Bewegungsangeboten [14].

Zehn Jahre nach dem Titel „Grüne Hauptstadt Europas” ist das die Gelegenheit, den Anspruch einzulösen [7]. Aber Parks leben nicht von Fördermitteln. Sie leben davon, dass Menschen sie nutzen, pflegen und bespielen. Auf der IGA-Ebene MEIN GARTEN kann sich jede Initiative beteiligen, von der Pflanzenbörse über den Gemeinschaftsgarten bis zum nachhaltigen Stadtteilfest [7].

Lärm in Essen: Das unterschätzte Gesundheitsthema

Verkehrslärm ist nach Luftverschmutzung eines der größten umweltbedingten Gesundheitsrisiken und wird trotzdem meist als unvermeidbar hingenommen. Nach der repräsentativen Befragung des Umweltbundesamts aus dem Jahr 2024 fühlen sich 67 Prozent der Befragten in ihrem Wohnumfeld durch Straßenverkehr gestört [4]. Etwa die Hälfte der Bevölkerung ist tagsüber Mittelungspegeln von mindestens 55 Dezibel ausgesetzt, rund 15 Prozent sogar mindestens 65 Dezibel [16]. Die volkswirtschaftlichen Gesundheitskosten allein durch Straßenverkehrslärm beziffert das Umweltbundesamt auf rund 5,1 Milliarden Euro jährlich [5].

Das Umweltbundesamt setzt dabei eine klare Rangfolge: erst Lärm vermeiden, dann mindern, erst zuletzt ausgleichen. Vermeidung ist die günstigste Maßnahme mit den meisten Nebeneffekten, weniger Unfälle, weniger Abgase, weniger Flächenverbrauch [17].

Genau deshalb gehört zum Lärmschutz auch das, was wir selbst in der Hand haben. Der unnötig aufheulende Motor. Die Musikanlage im Garten am Sonntagabend. Und auf der anderen Seite: jede Hecke, jeder Baum, jeder begrünte Balkon, der Schall bricht statt ihn zu reflektieren.

Was du konkret tun kannst

SchrittAufwandWirkung
Einen standortgerechten Baum pflanzenEin Wochenende, ca. 50 bis 150 EuroKühlung, Lebensraum, Wasserrückhalt, über Jahrzehnte
Rasen in Blühfläche umwandelnZwei Stunden, ca. 20 Euro SaatgutInsektennahrung, besseres Mikroklima, weniger Mähen
Fassade oder Garagenwand begrünenEin Tag, ab ca. 100 EuroStaubbindung, Verschattung, Schallbrechung
Nicht füttern und andere darauf ansprechenEin GesprächMacht das Stadttaubenmanagement überhaupt erst wirksam
Bei Mach mit! Essen mitmachenSo viel du willstAus einer Einzelaktion wird ein Projekt
Sich als IGA-Standort auf der Ebene MEIN GARTEN eintragenEine E-Mail an die StadtDein Engagement wird 2027 sichtbar

Häufige Fragen

Warum fällt die Stadt Essen Bäume, wenn wir doch mehr Stadtgrün brauchen?

Weil die Stadt für Gefahren an Straßen, Radrouten, Bahnlinien und Bebauung haftet. Bäume, deren Stand- oder Bruchsicherheit sich auch durch Pflege nicht wiederherstellen lässt, gelten als Risikobäume und müssen entnommen werden [8]. Entscheidend ist, was danach passiert: Nachpflanzung mit klimaresistenten Arten und zusätzliches Grün auf privaten Flächen.

Bringt ein einzelner Baum im Garten wirklich etwas?

Ja, messbar. Baumbestandene Flächen sind in europäischen Städten im Sommer im Mittel rund 10 Grad Celsius kühler als bebaute Flächen, deutlich mehr als baumlose Grünflächen [3]. In der Summe entscheidet der private Grünanteil mit darüber, wie stark ein Quartier im Sommer aufheizt [10].

Warum soll ich Stadttauben nicht füttern?

Weil unkontrollierte Fütterung die Population vergrößert und betreute Taubenschläge wirkungslos macht. Das seit 1995 erprobte Augsburger Modell aus betreuten Schlägen, kontrollierter Fütterung und Eiertausch gilt als tierschutzgerechter Weg, funktioniert aber nur mit flankierendem Fütterungsverbot [11][13].

Was hat Essen konkret von der IGA 2027?

Dauerhafte Grünflächen. In Essen entstehen der Emscherpark 2.7 in Karnap und der Kanaluferpark im Norden, dazu wird ein Abschnitt des IGA-Emscherradwegs erneuert [7][14][15]. Die Ausstellung selbst läuft von April bis Oktober 2027 in 53 Städten der Metropole Ruhr [6].

Wie kann ich mich in Essen konkret einbringen?

Über Mach mit! Essen bei Biodiversitäts- und Gemeinschaftsprojekten, über die IGA-Ebene MEIN GARTEN mit eigenen Aktionen, über Anregungen und Beschwerden direkt an den Ausschuss, oder ganz einfach im eigenen Garten und auf dem eigenen Balkon.

Warum ich das schreibe

Ich schreibe das nicht als Stadträtin, sondern als Mensch, der diese Stadt mag und weiß, dass wir sie täglich ein Stück besser machen können. Wenn wir im Ausschuss über Radwege reden, geht es um die Frage, ob deine Kinder sicher zur Schule kommen. Wenn wir über Wälder reden, geht es darum, ob in zwanzig Jahren noch Schatten da ist. Wenn wir über die IGA reden, geht es darum, ob Essen nur funktioniert oder ob es leuchtet.

Politik ist kein Zuschauersport. Sie lebt davon, dass wir alle mitmachen.

Was denkst du? Wo siehst du in deinem Viertel die konkreteste Möglichkeit, etwas zu verändern? Schreib mir, ich nehme deine Gedanken mit in die nächste Ausschusssitzung.

👉 Zur ausführlichen Berichterstattung der Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Verbraucherschutz vom 28.04.2026 https://volt-diepartei-essen.de/de/ratsarbeit/2026-04-28-ausschuss-f%C3%BCr-umwelt-klima-und-verbraucherschutz-c4727c


Quellen

  1. Stadt Essen: Sturmwarnung, Hinweise zu Wald und Steilhängen, essen.de, abgerufen am 03.08.2026
  2. Stadt Essen, Ausschuss für Umwelt, Klima- und Verbraucherschutz, Sitzung vom 28.04.2026, Verwaltungsvorlage (Vorlagennummer ergänzen)
  3. Schwaab, J. et al.: The role of urban trees in reducing land surface temperatures in European cities, Nature Communications, ETH Zürich, 2021
  4. Umweltbundesamt: Lärmbelästigung, Befragung 2024, umweltbundesamt.de, abgerufen am 03.08.2026
  5. Umweltbundesamt: Handbuch Umweltkosten, Kostensätze für Lärm, 2026
  6. Regionalverband Ruhr: Internationale Gartenausstellung 2027, rvr.ruhr, abgerufen am 03.08.2026
  7. Stadt Essen: IGA 2027, essen.de, abgerufen am 03.08.2026
  8. Stadt Essen: Fällung von Risikobäumen, Prioritätsstufen und Fällsaison, essen.de, 29.07.2026
  9. Umweltbundesamt: Nachhaltige Gebäudeklimatisierung in Europa, Konzepte zur Vermeidung von Hitzeinseln, 2022
  10. Technische Universität München: Empirische Studie zur Wirkung von Stadtgrün auf die Hitzebelastung, Würzburg 2018 bis 2020
  11. Deutscher Tierschutzbund: Umgang mit Stadttauben, Augsburger Modell
  12. Land Hessen, Tierschutzportal: Stadttauben, tierschutz.hessen.de, abgerufen am 03.08.2026
  13. Bundesverband Menschen für Tierrechte: Erfahrungen mit Stadttaubenprojekten nach dem Augsburger Modell, Stadttaubenumfrage 2020/2021, veröffentlicht 2021
  14. Stadt Essen: Dritter Stern für Essener Projekt Emscherpark 2.7, essen.de, Oktober 2024
  15. Stadt Essen: IGA 2027 in Essen, wichtige Projekte im Zeitplan, essen.de, April 2026
  16. Umweltbundesamt: Straßenverkehrslärm, Belastungsdaten, umweltbundesamt.de, abgerufen am 03.08.2026
  17. Umweltbundesamt: Verkehrslärm, Maßnahmenrangfolge Vermeiden, Mindern, Ausgleichen, Juni 2026

Über mich

Deine Mandy Hindenburg

Deine Mandy Hindenburg

Stadträtin für Volt Essen, Ratsgruppe Volt & Die PARTEI
City Lead für Partnership & Kommunikation für Volt Team Essen
Geschäftsführerin bei Die Life & Food Farm
Founder I Vorständin der vilaron Stiftung
Founder I Vorständin vom BPW eClub
Founder I GF von Mach mit! Essen gUG

Ich entwickle und führe nachhaltige Strukturen für gesunde Ernährung, Klimaverantwortung und gesellschaftliche Teilhabe.

PS: Du willst selbst etwas bewegen? Pflanz einen Baum, im Garten, auf dem Balkon oder in einem Gemeinschaftsprojekt. Werde Teil von Mach mit! Essen. Und sprich darüber, mit Nachbarn, Freunden, Kolleginnen. Die besten Ideen entstehen im Gespräch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen