Stell dir vor, du stehst an einem Samstagvormittag auf einem Wochenmarkt in Essen. Vor dir Äpfel aus der Region, daneben Brot aus einer Backstube im Viertel. Die Erzeugerin erzählt dir, wie sie ihre Flächen bewirtschaftet, der Bäcker schwärmt von seinem Sauerteig. Und plötzlich merkst du: Hier geht es nicht nur um Lebensmittel. Es geht um Zusammenhang. Genau da beginnt Engagement in Essen, und genau da beginnt der Teil, den ich ohne dich nicht hinbekomme.

Das Wichtigste in Kürze
- In Deutschland fielen im Jahr 2023 entlang der Lebensmittelkette rund 10,9 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle an, 58 Prozent davon in privaten Haushalten [1].
- Das entspricht etwa 74,5 Kilogramm pro Person und Jahr, also dem, was ein durchschnittlicher Haushalt jede Woche in die Tonne trägt [2].
- Der Weltklimarat beziffert den Anteil des Ernährungssystems an den weltweiten Treibhausgasemissionen auf 23 bis 42 Prozent, je nach Systemgrenze [3].
- 21 Prozent der 21- bis 30-Jährigen in Deutschland fühlen sich stark einsam, insgesamt 34 Prozent der 21- bis 54-Jährigen zumindest teilweise [4].
- Der Förderfonds für bürgerschaftliches Engagement der Stadt Essen umfasst 2026 wegen der Haushaltslage nur noch 40.000 Euro in zwei Förderbereichen [5].
Warum es nicht am Wissen scheitert, sondern an der Verbindung
Die Zahlen zur Ernährungswende sind seit Jahren bekannt, geändert hat sich wenig, weil Wissen allein niemanden ins Handeln bringt. Im Jahr 2023 wurden in Deutschland entlang der gesamten Lebensmittelversorgungskette rund 10,9 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle weggeworfen. Der größte Teil davon, rund 58 Prozent, entstand nicht in der Industrie, sondern in privaten Küchen [1]. Pro Kopf sind das etwa 74,5 Kilogramm im Jahr [2].
Was das fürs Klima bedeutet, lässt sich nicht auf eine einzige Zahl verkürzen, und ich halte nichts davon, so zu tun als ginge das. Der Weltklimarat gibt in seinem Sechsten Sachstandsbericht eine Spanne von 23 bis 42 Prozent an, je nachdem, ob man nur die Landwirtschaft rechnet oder die gesamte Kette bis zur Entsorgung [3]. Für Lebensmittelverluste und Lebensmittelabfälle allein nennt das Umweltbundesamt einen Anteil von 8 bis 10 Prozent an den weltweiten Treibhausgasemissionen [6]. Das ist ungefähr das Fünffache dessen, was der gesamte Luftverkehr verursacht [6].
Diese Zahlen kennen viele. Trotzdem passiert wenig. Das liegt nicht an fehlender Einsicht, sondern daran, dass Menschen allein vor einem Problem stehen, das sie allein nicht lösen können. Genau an dieser Stelle setze ich an.
Einsamkeit ist kein Privatproblem, sondern ein Demokratieproblem
Wer sich sozial nicht eingebunden fühlt, traut sich auch weniger zu, etwas zu verändern, und das trifft eine Stadtgesellschaft ins Mark. Nach Auswertungen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung geben rund 21 Prozent der 21- bis 30-Jährigen an, sich stark einsam zu fühlen, bei den 31- bis 54-Jährigen sind es 14 Prozent. Insgesamt fühlen sich 34 Prozent der Erwachsenen zwischen 21 und 54 Jahren zumindest teilweise einsam [4]. Die Werte haben sich seit der Pandemie kaum wieder verringert [4].
Der Teil, der mich politisch am meisten beschäftigt, steht in einer Untersuchung der Bertelsmann Stiftung: Stark einsame junge Erwachsene interessieren sich genauso für Politik wie andere. Aber sie trauen sich seltener zu, tatsächlich etwas bewegen zu können [7].
Das ist der Grund, warum ich gesunde Ernährung, Klimaverantwortung und gesellschaftliche Teilhabe nicht als drei Themen behandle, sondern als eins. Ein Klimafrühstück ist ein Ernährungsformat. Und es ist gleichzeitig ein Raum, in dem jemand zum ersten Mal erlebt, dass die eigene Idee etwas auslöst.
Was Netzwerke leisten, was Einzelne nicht können
Ein Netzwerk ist kein Adressbuch, sondern eine Struktur, die aus einer Idee ein Projekt macht, weil die fehlenden Teile bereits im Raum sitzen. Ich bin 2008 in Essen angekommen und habe angefangen, mich ehrenamtlich zu engagieren. Erst in der Jugendförderung, dann im BPW, später mit Mach mit! Essen und der vilaron Stiftung. Was ich in diesen Jahren gelernt habe, lässt sich in einem Satz sagen: Die größten Ideen entstehen in kleinen Räumen.
Beim Klimafrühstück sitzen Menschen zusammen, die sich für nachhaltige Ernährung interessieren. Die eine kennt Erzeugerbetriebe. Der andere weiß, wie Förderanträge funktionieren. Die dritte hat einfach Lust anzupacken. Aus einer Idee wird ein Projekt, weil niemand allein anfangen muss.
Hinweis für die Veröffentlichung: Hier gehört eine eigene Zahl hin, zum Beispiel die Zahl der bisherigen Klimafrühstücke, der beteiligten Menschen oder der entstandenen Projekte. Eigene Zahlen sind das, was diesen Beitrag von jedem anderen Text zum Thema unterscheidet, und genau das zitieren Suchmaschinen und KI-Systeme bevorzugt.
Ich bin keine Theoretikerin. Ich habe zwei Bücher geschrieben, „Raus aus dem Ernährungschaos” und „Strategisches Netzwerken”, aber darum geht es mir nicht. Es geht mir darum, Menschen zusammenzubringen, die etwas verändern wollen. Ich kenne nicht alle Antworten. Ich kenne viele Menschen, die welche haben.
Essen hat die Strukturen, aber sie werden dünner
Die Stadt Essen fördert bürgerschaftliches Engagement, das Fördervolumen ist 2026 allerdings deutlich kleiner als geplant. Ursprünglich sollte der städtische Förderfonds mit überarbeiteten Bedingungen neu starten. Wegen der Haushaltslage steht 2026 nur ein Volumen von 40.000 Euro in zwei Förderbereichen zur Verfügung [5]. Das Ehrenamtsstipendium der Stadt ging 2026 an 15 junge Menschen aus Essen [5].
Gleichzeitig gibt es Wege, die viele nicht kennen. Das Landesprogramm „2.000 x 1.000 Euro für das Engagement” fördert 2026 unter dem Schwerpunkt Digitalisierung, Anträge sind noch bis zum 1. November 2026 möglich [5]. Die Ehrenamt Agentur Essen vermittelt über ihren Engagementfinder mehrere Hundert konkrete Einsatzmöglichkeiten in der Stadt [8].
Meine Position dazu ist klar: Wenn öffentliche Mittel knapper werden, wird die Verbindung zwischen Menschen wichtiger, nicht unwichtiger. Ein Projekt, das aus einem Netzwerk entsteht, braucht weniger Geld als eines, das jede Kompetenz einkaufen muss.
Was du konkret tun kannst
| Schritt | Aufwand | Wirkung |
|---|---|---|
| Eine Woche lang aufschreiben, was du wegwirfst | 5 Minuten täglich | Macht die 74,5 Kilogramm pro Kopf sichtbar und veränderbar [2] |
| Einmal im Monat auf dem Wochenmarkt einkaufen | Ein Vormittag | Kürzere Wege, direkter Kontakt, weniger Verpackung |
| Bei einem Klimafrühstück mitmachen | Ein Vormittag | Du triffst genau die Menschen, die dir bei deiner Idee fehlen |
| Eine Idee aufschreiben und mir schicken | 10 Minuten | Aus Ideen werden Projekte, sobald jemand sie kennt |
| Landesförderung beantragen, Frist 1.11.2026 | Ein Nachmittag | Bis zu 1.000 Euro für dein Vorhaben [5] |
| Über den Engagementfinder ein Ehrenamt suchen | 20 Minuten | Mehrere Hundert Angebote in Essen, gefiltert nach deiner Zeit [8] |
Häufige Fragen
Wie viele Lebensmittel werden in Deutschland weggeworfen?
Im Jahr 2023 fielen entlang der gesamten Lebensmittelversorgungskette rund 10,9 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle an. Rund 58 Prozent davon entstanden in privaten Haushalten, weitere 17 Prozent in der Verarbeitung, 16 Prozent in der Gastronomie, 7 Prozent im Handel und 2 Prozent in der Landwirtschaft [1].
Wie stark belastet unsere Ernährung das Klima wirklich?
Das kommt darauf an, was man mitrechnet. Der Weltklimarat gibt für das globale Ernährungssystem eine Spanne von 23 bis 42 Prozent der menschengemachten Treibhausgasemissionen an [3]. Lebensmittelverluste und Lebensmittelabfälle allein verursachen nach Angaben des Umweltbundesamts 8 bis 10 Prozent [6].
Was hat Einsamkeit mit Klimaschutz zu tun?
Mehr, als man denkt. Wer sich sozial nicht eingebunden fühlt, schätzt die eigene Fähigkeit, politisch etwas zu bewirken, geringer ein [7]. Formate, die Menschen zusammenbringen, wirken deshalb doppelt: Sie schaffen Projekte und sie stärken das Zutrauen, überhaupt etwas verändern zu können.
Wie finde ich in Essen ein passendes Ehrenamt?
Über den Engagementfinder der Ehrenamt Agentur Essen. Dort sind mehrere Hundert Einsatzmöglichkeiten gelistet, filterbar nach Interesse und verfügbarer Zeit, dazu gibt es persönliche Beratungstermine vor Ort, telefonisch oder per Video [8].
Gibt es Geld für eigene Projekte?
Ja, an zwei Stellen. Die Stadt Essen fördert 2026 über ihren Förderfonds mit einem Gesamtvolumen von 40.000 Euro in zwei Bereichen. Das Land NRW fördert über das Programm „2.000 x 1.000 Euro für das Engagement”, Anträge sind bis zum 1. November 2026 möglich [5].
Die Einladung
Ich glaube, dass wir unsere Stadt und damit ein Stück Welt besser machen können. Aber nur gemeinsam. Nicht, weil das schön klingt, sondern weil die Zahlen oben zeigen, dass das Gegenteil, nämlich jeder für sich, seit Jahren nicht funktioniert.
Also: Was ist dein nächster Schritt? Willst du bei einem Format mitmachen, ein eigenes Projekt starten oder erst einmal wissen, was in Essen schon läuft? Schreib mir. Und wenn du jemanden kennst, den diese Themen umtreiben, verbinde uns. Die besten Netzwerke entstehen nicht durch Visitenkarten, sondern durch Taten.
Quellen
- Umweltbundesamt: Lebensmittelabfälle, Bericht an die EU-Kommission für das Bezugsjahr 2023, umweltbundesamt.de, abgerufen am 03.08.2026
- Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat: Lebensmittelabfälle in Deutschland, Zahlen nach Sektoren, bmleh.de, abgerufen am 03.08.2026
- Weltklimarat IPCC: Sechster Sachstandsbericht, Arbeitsgruppe III, Kapitel 12, 2022
- Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung: Auswertungen des Panels FReDA, Winter 2024/2025, Pressemitteilung vom 22.06.2026
- Stadt Essen: Ehrenamt, Förderfonds und Förderprogramme, essen.de, abgerufen am 03.08.2026
- Umweltbundesamt: Abfälle privater Haushalte, Klimawirkung von Lebensmittelverlusten, umweltbundesamt.de, abgerufen am 03.08.2026
- Bertelsmann Stiftung: Wie einsam sind junge Erwachsene im Jahr 2024, repräsentative Befragung von 2.532 jungen Menschen, 2024
- Ehrenamt Agentur Essen e. V.: Engagementfinder, engagementfinder.ehrenamtessen.de, abgerufen am 03.08.2026
Über mich
Deine Mandy Hindenburg
Stadträtin für Volt Essen, Ratsgruppe Volt & Die PARTEI City Lead für Partnership & Kommunikation für Volt Team Essen Geschäftsführerin bei Die Life & Food Farm Founder | Vorständin der vilaron Stiftung Founder | Vorständin vom BPW eClub Founder | GF von Mach mit! Essen gUG
Ich entwickle und führe nachhaltige Strukturen für gesunde Ernährung, Klimaverantwortung und gesellschaftliche Teilhabe.