Netzwerken: Warum du dein Netzwerk-Ziel kennen musst, bevor du den ersten Schritt machst

Netzwerken ohne Richtung kostet Energie, bringt aber selten das, was du dir wirklich wünschst.

Ich erinnere mich noch gut an eine Phase, in der ich gefühlt auf jedem Event in Essen war. Frühstücksrunden, Abendveranstaltungen, Branchentreffen, alles. Ich habe Visitenkarten gesammelt, Gespräche geführt, LinkedIn-Anfragen verschickt. Und dann saß ich zu Hause und fragte mich: Wofür eigentlich? Das Netzwerk wuchs, aber es fühlte sich leer an. Nicht weil die Menschen nicht interessant gewesen wären, sondern weil ich selbst nicht wusste, was ich mit all dem anfangen wollte.

Genau dieses Thema beschäftigt mich in meinem Buch “Strategisch Netzwerken” im Kapitel “Der Netzwerk Navigator” im zweiten Kapitel ausführlich. Und ich schreibe heute darüber, weil mir immer wieder Menschen begegnen, die dasselbe erleben.

Netzwerken ist kein Selbstzweck

Das klingt banal, aber es ist der entscheidende Gedanke. Netzwerken funktioniert nur dann nachhaltig, wenn es einem klaren persönlichen Ziel dient. Und dieses Ziel ist so verschieden wie die Menschen selbst. Was dich antreibt, muss nicht dasselbe sein, was deine Kollegin antreibt oder deinen Bruder oder die Gründerin, die du letzte Woche kennengelernt hast.

Wenn du ohne Richtung netzwerkst, merkst du es meistens erst im Nachhinein. Die Termine fühlen sich irgendwann wie Pflicht an. Die Gespräche werden oberflächlicher. Du gehst früher nach Hause. Das ist kein Zeichen, dass Netzwerken nichts für dich ist, sondern ein Zeichen, dass du dein Warum noch nicht gefunden hast.

Die möglichen Ziele sind vielfältiger als du denkst

Im Network Navigator liste ich auf, was Menschen tatsächlich antreibt, wenn sie Netzwerke aufbauen. Wissen teilen und von der Expertise anderer profitieren steht oft ganz oben, besonders bei Menschen, die in schnell wandelnden Feldern arbeiten. Wenn du nicht weißt, was du nicht weißt, hilft dir ein Netzwerk aus klugen Köpfen enorm.

Dann gibt es das Ziel, gemeinsam große Dinge zu erreichen. Alleine kommst du schneller, zusammen kommst du weiter, das stimmt tatsächlich, wenn das Netzwerk auf ein gemeinsames Vorhaben ausgerichtet ist. Ich erlebe das zum Beispiel bei der vilaron Stiftung, wo ohne ein verlässliches Netzwerk aus Partnern und Unterstützern nichts funktionieren würde.

Andere Menschen netzwerken vor allem, um Vertrauen aufzubauen. Vertrauen als Basis klingt weich, ist aber die härteste Währung, die es im Berufsleben gibt. Wer dir vertraut, empfiehlt dich weiter, öffnet Türen, gibt ehrliches Feedback. Das alles entsteht nicht über Nacht, und es entsteht nicht, wenn du Netzwerken als Transaktionsgeschäft behandelst.

Sichtbarkeit und Reputation sind echte Ziele

Ich weiß, dass viele Menschen zögern, das laut zu sagen. Sichtbarkeit klingt nach Eitelkeit. Reputation klingt nach Selbstmarketing. Aber ich sage dir direkt: Wenn du etwas Wertvolles tust, müssen die richtigen Menschen davon wissen. Das ist kein Egoismus, das ist Verantwortung.

Als Stadträtin für Volt Essen merke ich das täglich. Politische Arbeit, die niemand sieht, verändert nichts. Die Ideen brauchen ein Publikum, das ihnen vertraut. Und dieses Vertrauen entsteht, wenn du konsistent sichtbar bist, nicht laut, sondern verlässlich und inhaltlich klar.

Wenn Sichtbarkeit und Reputation dein Hauptziel sind, dann brauchst du ein anderes Netzwerk als jemand, der in erster Linie Wissen sucht. Du brauchst Multiplikatoren, Plattformen, Menschen, die in anderen Kreisen unterwegs sind als du selbst.

Zugang zu Wissen und Perspektiven, die du sonst nicht bekommst

Ein Ziel, das oft unterschätzt wird: der Zugang zu Informationen und Einschätzungen, die nicht öffentlich verfügbar sind. Nicht weil sie geheim wären, sondern weil sie im Gespräch entstehen. In einem guten Netzwerk sprichst du mit Menschen, die dir sagen, wie sie wirklich über eine Entwicklung denken, was hinter bestimmten Entscheidungen steckt, welche Fehler sie gemacht haben und was sie daraus gelernt haben.

Das ist ein enormer Vorteil. Und er setzt voraus, dass du echte Beziehungen hast, keine Sammlung von Kontakten. Der Unterschied liegt im Vertrauen, und Vertrauen entsteht durch Zeit, Aufmerksamkeit und Gegenseitigkeit.

Gemeinschaft als Ziel: unterschätzt und unterschätzt

Es gibt Menschen, die netzwerken, weil sie ein Gemeinschaftsgefühl suchen. Das ist vollkommen legitim und manchmal das ehrlichste Ziel von allen. Wer in einer neuen Stadt ist, wer sich in seiner Branche isoliert fühlt, wer nach dem Gründen merkt, dass Unternehmertum manchmal sehr einsam ist, der braucht Menschen, die verstehen, was er erlebt.

Beim BPW eClub, den ich gegründet habe, geht es genau darum. Frauen, die unternehmerisch denken und handeln, brauchen einen Ort, wo sie sich nicht erklären müssen. Das ist kein Nettigkeit-Netzwerk, das ist strategische Gemeinschaft.

Resilienz stärken: ein Ziel für schwierige Zeiten

Ein weiteres Ziel aus dem Buch hat mich besonders beschäftigt, als ich es formuliert habe. Netzwerke können Resilienz stärken. In schwierigen Phasen, ob beruflich, persönlich oder gesellschaftlich, sind es oft Menschen aus deinem Netzwerk, die dich auffangen, auf andere Ideen bringen, mit dir denken.

Das ist keine romantische Vorstellung. Ich habe das selbst erlebt. In Momenten, wo ich nicht wusste, wie ich ein Projekt weiterführen soll, war es ein Gespräch mit jemandem aus meinem Netzwerk, das den Knoten gelöst hat. Kein Coaching, kein Buch, ein Mensch, der mich kannte und ehrlich mit mir war.

Ehrliches Feedback ist übrigens auch ein eigenständiges Ziel. Wer ein Netzwerk aufbaut, das aus echten Beziehungen besteht, bekommt auch mal unbequeme Wahrheiten zu hören. Das ist wertvoll, manchmal das Wertvollste überhaupt.

So findest du dein persönliches Hauptziel

Der erste Schritt ist einfach, aber er wird oft übersprungen: Setz dich hin und beantworte die Frage ehrlich. Was möchtest du mit deinem Netzwerk erreichen? Nicht was du erreichen solltest, nicht was andere von dir erwarten, sondern was du wirklich willst.

Schreib es auf. Nicht als Liste von fünf Dingen, sondern als eine klare Aussage. Mein Netzwerk soll mir helfen, X zu erreichen. Je konkreter du bist, desto klarer wird, wen du brauchst, wo du dich engagieren solltest und welche Veranstaltungen deine Zeit wert sind.

Das Ziel darf sich mit der Zeit verändern. Meins hat sich verändert. Was früher Wissensaustausch war, ist heute eine Kombination aus Kooperation und gesellschaftlicher Wirkung. Das ist kein Widerspruch, das ist Entwicklung. Aber zu jedem Zeitpunkt war es hilfreich zu wissen, worum es mir gerade geht.

Klare Ausrichtung erzeugt nachhaltige Ergebnisse

Netzwerken ohne Ziel ist wie Autofahren ohne Zielort. Du kannst interessante Orte passieren, aber du kommst nirgends wirklich an. Wer sein Hauptziel kennt, entscheidet bewusster, wen er anspricht, welche Einladungen er annimmt und wie er seine Zeit im Gespräch nutzt.

Das ist keine Optimierungslogik, es ist Respekt, dir selbst und deinen Gesprächspartnern gegenüber. Zeit ist das knappste Gut, das wir haben. Wenn du weißt, warum du netzwerkst, gibst du dieser Zeit eine Bedeutung.

Im Kapitel “Der Netzwerk Navigator” gehe ich im Kapitel 2.1 ausführlich auf diese Frage ein und biete eine Struktur, die dir hilft, dein persönliches Hauptziel zu definieren und daraus konkrete nächste Schritte abzuleiten.

Und jetzt bist du dran: Was ist dein ehrliches Hauptziel, wenn du an dein Netzwerk denkst? Schreib es mir gern in die Kommentare oder meld dich direkt bei mir, ich bin neugierig.

Quellen und Links


Stadtraetin fuer Volt Essen, Ratsgruppe Volt & Die PARTEI
City Lead fuer Partnership & Kommunikation, Volt Team Essen
Geschaeftsfuehrerin bei Die Life & Food Farm
Founder und Vorstaendin der vilaron Stiftung
Founder und Vorstaendin vom BPW eClub
Founder und GF von Mach mit! Essen gUG

Ich entwickle und fuehre nachhaltige Strukturen fuer gesunde Ernaehrung, Klimaverantwortung und gesellschaftliche Teilhabe.

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