Es gibt Podcastgespräche, die bleiben. Nicht nur, weil die Geschichte besonders ist, sondern weil sie nachhallt. Daniela Wirth war zu Gast, und sie erzählt von einem Moment, den viele kennen und wenige aussprechen: Sie wusste, dass sie geht. Ohne Plan B, ohne Absicherung. Heute leitet sie die Prüfungsabteilung für Fortbildungs- und Meisterprüfungen bei der Handwerkskammer Köln. Was mich beim Nacharbeiten überrascht hat, ist, wie gut ihre neue Aufgabe zu dem passt, was sie gesucht hat.

Das Wichtigste in Kürze
- 15,9 Prozent der erfolgreichen Meisterprüfungen wurden 2024 von einer Frau abgelegt [1].
- Im Handwerk wird durchschnittlich jeder vierte Betrieb von einer Frau geführt oder mitgeführt, genau 24,9 Prozent [1].
- Zwischen 2013 und 2024 kamen gut 7.000 Frauen mehr als Handwerksmeisterin hinzu, der Frauenanteil unter Meisterinnen und Meistern stieg von 13,3 auf 17,1 Prozent [2].
- Der Frauenanteil unter den Auszubildenden im Handwerk lag 2025 bei 14 Prozent [1].
- Mentoring wirkt auf Karriereerfolg und Zufriedenheit nachweisbar, über mehrere Metaanalysen hinweg allerdings nur schwach ausgeprägt [3][4].
Der Ausstieg ohne Plan B
Daniela war Geschäftsführerin in der beruflichen Bildung: strategisch stark, führungserfahren, vernetzt. Und dann kam dieser ruhige, klare Moment.
Was mich am meisten berührt hat, war nicht die Entscheidung selbst, sondern der Weg dorthin. Er war nicht spontan, sondern getragen von Reflexion und einer Erkenntnis: Sie wollte nicht nur gestalten, sie wollte wieder nah am Menschen arbeiten.
Was Daniela gemacht hat, war kein Bruch, sondern eine konsequente Weiterentwicklung. Sie hat nicht alles hingeschmissen, wie man ihr vielleicht unterstellen würde. Sie hat sich gefragt: Wer bin ich jenseits der Rollen, die ich ausfülle?
Genau da sind wir uns begegnet. Ich kenne diese Phasen, in denen man merkt, dass man funktioniert, aber nicht mehr das lebt, was einen antreibt. Ich habe mir Zeit genommen und mich neu sortiert, Daniela hat es mit einem klaren Schnitt getan. Zwei Wege, ein Ziel.
Was in Führungsrollen selten gesagt wird
Daniela hat nichts beschönigt. Sie hat über Zweifel gesprochen, über die Einsamkeit in Führungsrollen und über die Leerstelle nach dem Ausstieg.
Das ist der Teil, der in Karrieregeschichten meist fehlt. Zwischen dem mutigen Schritt und dem neuen Anfang liegt eine Phase ohne Titel, ohne Struktur, ohne Kalender. Wer darüber nicht spricht, erzeugt bei anderen den Eindruck, dass es sie nicht gibt.
Ich schreibe das ausdrücklich als Beschreibung von Danielas Erfahrung und meiner eigenen, nicht als belegten Befund. Es gibt zu dieser Phase erstaunlich wenig belastbare Forschung, und das ist selbst schon eine Aussage.
Was geholfen hat: Mentoring und Netzwerk
Was Daniela durch diese Phase getragen hat, waren Menschen: Mentoring, Mastermind-Gruppen und das Netzwerk im BPW eClub. Das deckt sich mit meiner Erfahrung und teilweise mit der Forschung, wobei die Einschränkung dazugehört.
Mentees erleben nach der Forschungslage größeren objektiven und subjektiven Karriereerfolg, sind sichtbarer gegenüber einflussreichen Personen und zufriedener mit ihrer Karriereentwicklung [3]. Über mehrere Metaanalysen hinweg sind diese Effekte allerdings durchweg nur schwach ausgeprägt, für Mentees ebenso wie für Mentorinnen und Mentoren [4].
Ich lese das nicht als Widerspruch, sondern als Präzisierung: Ein Programm allein bewirkt wenig, die Wirkung entsteht in der Beziehung. Und dazu passt ein zweiter Befund. Für neue berufliche Möglichkeiten sind nicht die engsten Kontakte am wirksamsten, sondern die mäßig schwachen, gezeigt an über 20 Millionen Menschen über fünf Jahre [5].
Übersetzt: Der neue Weg kommt selten aus dem innersten Kreis. Er kommt aus der Runde, die man kennt, aber nicht täglich sieht. Genau das ist ein Netzwerk wie der eClub.
Warum ihr neues Umfeld mehr ist als ein Jobwechsel
Daniela leitet heute eine Prüfungsabteilung in einem Bereich, in dem Frauen an der Spitze noch immer die Ausnahme sind. 2024 wurden 15,9 Prozent der erfolgreichen Meisterprüfungen von einer Frau abgelegt, und durchschnittlich wird jeder vierte Handwerksbetrieb von einer Frau geführt oder mitgeführt [1].
Die Bewegung ist dabei deutlich. Nach Auswertungen des Instituts der deutschen Wirtschaft arbeiteten 2024 gut 7.000 Frauen mehr als Handwerksmeisterin als noch 2013, der Frauenanteil unter Meisterinnen und Meistern stieg von 13,3 auf 17,1 Prozent [2]. Beim Nachwuchs bleibt allerdings viel zu tun: Der Frauenanteil unter den Auszubildenden im Handwerk lag 2025 bei 14 Prozent [1].
Als Daniela von den jungen Menschen erzählte, die freitagabends zur Meisterschule kommen, haben ihre Augen geleuchtet. Wer diese Zahlen kennt, versteht, warum das mehr ist als eine schöne Beobachtung. Wer dort die Prüfungen verantwortet, sitzt an einer Stelle, an der sich entscheidet, wer künftig Betriebe führt.
Was du konkret tun kannst
| Schritt | Aufwand | Wirkung |
|---|---|---|
| Die Frage stellen, ob das Aktuelle noch stimmig ist | Ein ehrlicher Abend | Innehalten braucht oft mehr Mut als der nächste Schritt |
| Vor einem Wechsel drei lose Kontakte reaktivieren | Drei Nachrichten | Neue Wege kommen meist aus der mittleren Schicht [5] |
| Eine Mentorin suchen, nicht auf ein Programm warten | Eine Anfrage | Die Wirkung entsteht in der Beziehung, nicht im Format [4] |
| Über die Zwischenphase sprechen, nicht nur über den Erfolg | Ein Gespräch | Die Leerstelle nach dem Ausstieg wird selten benannt |
| Einer jungen Frau vom Handwerk erzählen | Ein Gespräch | Der Frauenanteil unter Azubis liegt bei 14 Prozent [1] |
| Finanziellen Puffer klären, bevor du gehst | Ein Nachmittag | Mut ist leichter mit Rechenblatt |
Häufige Fragen
Wie viele Frauen legen eine Meisterprüfung ab?
Im Jahr 2024 wurden 15,9 Prozent der erfolgreichen Meisterprüfungen von einer Frau abgelegt [1]. Der Anteil steigt: Zwischen 2013 und 2024 kamen gut 7.000 Meisterinnen hinzu, der Frauenanteil unter Meisterinnen und Meistern stieg von 13,3 auf 17,1 Prozent [2].
Wie viele Handwerksbetriebe werden von Frauen geführt?
Durchschnittlich wird jeder vierte Betrieb im Handwerk von einer Frau geführt oder mitgeführt, genau 24,9 Prozent. Die Unterschiede zwischen den Gewerbegruppen sind dabei erheblich [1].
Bringt Mentoring bei einer beruflichen Neuorientierung etwas?
Ja, aber mit realistischer Erwartung. Mentees erleben größeren Karriereerfolg und höhere Zufriedenheit [3], über mehrere Metaanalysen hinweg sind diese Effekte jedoch nur schwach ausgeprägt [4]. Entscheidend ist die Qualität der Beziehung, nicht das Format.
Über welche Kontakte entstehen neue berufliche Wege?
Meist über mäßig schwache Verbindungen, also Menschen, die man kennt, aber nicht täglich sieht. Eine Untersuchung in Science mit über 20 Millionen Menschen zeigt, dass diese die berufliche Mobilität am stärksten erhöhen [5].
Ist ein Ausstieg ohne Plan B empfehlenswert?
Das lässt sich nicht allgemein beantworten und hängt stark von der finanziellen Lage ab. Was sich aus Danielas Weg mitnehmen lässt, ist etwas anderes: Der Entscheidung ging eine lange Phase der Reflexion voraus. Der Schnitt war klar, aber er war nicht unvorbereitet.
Zum Schluss
Berufliche Entwicklung ist nicht linear. Sie braucht Mut, und zwar nicht immer für den nächsten großen Schritt, sondern oft für das Innehalten und die ehrliche Frage, ob das Aktuelle noch stimmig ist.
Daniela hat diese Frage gestellt und Antworten gefunden, die auch andere weiterbringen können.
Und du? Was ist die Frage, die du dir gerade nicht stellen willst? Schreib mir, was du aus diesem Gespräch mitnimmst.
👉 Die Folge findest du überall, wo es Podcasts gibt:
Quellen
- Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH): Kennzahlen, Frauen im Handwerk, Anteil an Meisterprüfungen, Betriebsspitzen und Auszubildenden — https://www.zdh.de/daten-und-fakten/kennzahlen-des-handwerks/frauen-des-handwerks/
- Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln), KOFA Kompakt 03/2025: Frauen im Handwerk, Entwicklung der Zahl der Meisterinnen — https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/KOFA_kompakt_und_Studien/2025/KOFA-Kompakt_03-2025-Frauen-im-Handwerk.pdf
- Memorandum für Frauen in Führung: Forschungserkenntnisse zur Wirksamkeit von Mentoring bei Mentees — https://mff-memorandum.de/das-besondere-band-forschungserkenntnisse-zur-wirksamkeit-von-mentoring-bei-mentees/
- Haufe, zu den Auswertungen mehrerer Metaanalysen durch Torsten Biemann und Heiko Weckmüller: Mentoring, Mentor und Mentee profitieren, schwacher Effekt — https://www.haufe.de/personal/hr-management/mentoring-mentor-und-mentee-profitieren-schwacher-effekt_80_228518.html
- Rajkumar, K. et al.: A causal test of the strength of weak ties, Science, September 2022 — https://www.science.org/doi/10.1126/science.abl4476
- Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH): Frauen im Handwerk, Fachbereich Soziale Sicherung — https://www.zdh.de/ueber-uns/fachbereich-soziale-sicherung/frauen-im-handwerk/
Über mich
Deine Mandy Hindenburg
Stadträtin für Volt Essen, Ratsgruppe Volt & Die PARTEI
City Lead für Partnership & Kommunikation für Volt Team Essen
Geschäftsführerin bei Die Life & Food Farm
Founder I Vorständin der vilaron Stiftung
Founder I Vorständin vom BPW eClub
Founder I GF von Mach mit! Essen gUG
Ich entwickle und führe nachhaltige Strukturen für gesunde Ernährung, Klimaverantwortung und gesellschaftliche Teilhabe.