Es gibt Podcastfolgen, die bleiben länger im Kopf. Nicht, weil sie laut waren, sondern weil sie tief gehen. Die Folge mit Kornelia Rending, Finanzberaterin und Gründerin von VermögenundZukunft, war so eine. Was mich am meisten beschäftigt hat, ist ein Satz, den ich von Frauen ständig höre: „Ich habe kein Vermögen.” Ich habe danach nachgesehen, wie groß die Lücke tatsächlich ist. Die Zahlen sind deutlicher, als mir lieb war.

Das Wichtigste in Kürze
- Der Gender Pension Gap lag nach den jüngsten Erhebungen bei 24,2 Prozent, im Vorjahr bei 25,8 Prozent [1][2].
- Rechnet man Hinterbliebenenrenten heraus und betrachtet nur eigenständige Ansprüche, steigt die Lücke auf 36,9 Prozent [2].
- Frauen ab 65 Jahren bezogen 2024 im Schnitt rund 1.720 Euro brutto Alterseinkünfte pro Monat, Männer rund 2.320 Euro [2].
- Die Armutsgefährdungsquote der Frauen ab 65 lag bei 21,3 Prozent, bei Männern derselben Altersgruppe bei 17,3 Prozent [1].
- Der unbereinigte Gender Pay Gap lag 2025 bei 16 Prozent, der bereinigte bei 6 Prozent, der Gender Hours Gap bei 18 Prozent [3].
Die Lücke, über die zu selten gesprochen wird
Die Rentenlücke zwischen Frauen und Männern ist kleiner geworden, sie ist aber immer noch größer als der Verdienstunterschied, der sie verursacht. Nach den Ergebnissen der Erhebung zu Einkommen und Lebensbedingungen lag der Gender Pension Gap zuletzt bei 24,2 Prozent [1], im Jahr davor bei 25,8 Prozent [2].
Der entscheidende Wert steht meist im Kleingedruckten. Rund 29 Prozent der Frauen ab 65 beziehen Alterseinkünfte aus einer Hinterbliebenenrente, bei Männern sind es gut 6 Prozent [4]. Klammert man diese abgeleiteten Ansprüche aus und betrachtet nur das, was Frauen selbst erworben haben, steigt die Lücke auf 36,9 Prozent [2].
Anders gesagt: Ein erheblicher Teil der Alterssicherung von Frauen hängt nicht an ihrer eigenen Erwerbsbiografie, sondern an der Ehe. Das ist kein moralisches Urteil, sondern eine strukturelle Beschreibung. Und es erklärt, warum die Armutsgefährdung von Frauen ab 65 mit 21,3 Prozent deutlich über der von Männern liegt [1].
Wie diese Lücke entsteht
Die Rentenlücke ist kein Rentenproblem, sie ist die Summe von vierzig Jahren Erwerbsbiografie. Der unbereinigte Gender Pay Gap lag 2025 bei 16 Prozent, das heißt, Frauen verdienten pro Stunde 16 Prozent weniger als Männer. Knapp zwei Drittel dieser Lücke lassen sich durch messbare Merkmale erklären, der unerklärte Rest, der bereinigte Gender Pay Gap, liegt bei 6 Prozent [3].
Der größere Hebel steckt in der Zeit. Männer gingen 2025 durchschnittlich gut 34 Stunden pro Woche einer bezahlten Arbeit nach, Frauen knapp 28. Damit brachten Frauen 18 Prozent weniger Zeit für bezahlte Arbeit auf [3]. Der Gender Gap Arbeitsmarkt, der Verdienst, Arbeitszeit und Erwerbsbeteiligung zusammen betrachtet, lag 2025 unverändert bei 37 Prozent [3].
Jede dieser Zahlen wirkt über die Jahre in die Rentenanwartschaft hinein. Deshalb ist Altersvorsorge für Frauen kein Nebenthema, sondern die Stelle, an der sich alles Vorherige addiert.
„Ich habe kein Vermögen”
Genau hier setzt Kornelia an, und zwar nicht belehrend, sondern öffnend. Sie hinterfragt diesen Reflexsatz. Vermögen ist für sie mehr als der Kontostand: Es ist das, was jemand kann, was jemand geschaffen hat und beiträgt, auch wenn es noch nicht sichtbar ist.
Ich finde diesen Perspektivwechsel wichtig, und ich finde gleichzeitig, dass er die Zahlen oben nicht ersetzt. Beides gehört zusammen. Wer sich für vermögenslos hält, fängt gar nicht erst an. Und wer nicht anfängt, landet in der Statistik, die ich oben zitiert habe.
Was in unserem Gespräch deutlich wurde: Viele Frauen ziehen sich beim Thema Geld nicht aus Desinteresse zurück, sondern weil ihnen der Zugang fehlt, die Sprache fremd ist oder weil sie schlechte Erfahrungen mit Verkaufsgesprächen gemacht haben. Kornelias Botschaft dazu ist schlicht: Es ist nie zu spät anzufangen, und es ist nie zu wenig, um überhaupt anzufangen.
Nachhaltig anlegen und trotzdem genau hinsehen
Nachhaltige Geldanlage ist in Deutschland längst ein Massenmarkt, und genau deshalb lohnt der zweite Blick. Nach dem Marktbericht des Forums Nachhaltige Geldanlagen wurden für Ende 2024 in Deutschland 672,7 Milliarden Euro an nachhaltigen Geldanlagen erfasst [5][6].
Der Verband selbst benennt das Problem offen: Immer mehr Anbieter sehen sich mit dem Vorwurf des Greenwashings konfrontiert, was besonders den glaubwürdigen Anbietern schadet [7]. Die Herausforderung sei, Wachstum und Qualität gleichzeitig zu sichern [7].
Eine hilfreiche Unterscheidung aus demselben Bericht: Nicht jeder Konflikt über Nachhaltigkeit ist Greenwashing. Es gibt Fälle klarer Falschaussagen, und es gibt Fälle, in denen unterschiedliche Vorstellungen davon aufeinandertreffen, was als nachhaltig gilt [7]. Wer investieren will, sollte deshalb weniger auf Begriffe achten und mehr darauf, welche Kriterien konkret angewendet werden und wie streng [8].
Genau das meinte Kornelia, als sie sagte, sie investiere nicht nur grün, sie denke grün. Es geht um die Prüfung dahinter, nicht um das Etikett.
Was ich mitnehme
Für mich war dieses Gespräch ein Austausch auf Augenhöhe über Verantwortung und Klarheit. Und über etwas, das in Finanzgesprächen mit Frauen häufig fehlt: Ermutigung.
Finanzwissen muss nicht kühl oder kompliziert sein. Es kann nahbar sein, wenn man die richtigen Menschen trifft. Was es aber sein muss, ist ehrlich, und dazu gehört, die Größenordnung zu kennen, um die es geht.
Was du konkret tun kannst
| Schritt | Aufwand | Wirkung |
|---|---|---|
| Deine Renteninformation herausholen und wirklich lesen | 20 Minuten | Ohne Ausgangswert lässt sich nichts planen |
| Prüfen, wie viel deiner Absicherung an eigenen Ansprüchen hängt | Ein Nachmittag | Ohne abgeleitete Ansprüche liegt die Lücke bei 36,9 Prozent [2] |
| Bei Teilzeit die langfristigen Folgen durchrechnen lassen | Ein Beratungstermin | Der Gender Hours Gap liegt bei 18 Prozent [3] |
| Beratung suchen, die nicht an Produkte gebunden ist | Eine Recherche | Unabhängigkeit ist die wichtigste Prüffrage überhaupt |
| Bei nachhaltigen Fonds nach den konkreten Kriterien fragen | Eine Rückfrage | Auf Begriffe ist kein Verlass, auf Kriterien schon [7][8] |
| Mit einer Freundin über Geld sprechen | Ein Abend | Fehlender Zugang beginnt mit fehlender Sprache |
Häufige Fragen
Wie groß ist die Rentenlücke zwischen Frauen und Männern?
Der Gender Pension Gap lag zuletzt bei 24,2 Prozent [1], im Vorjahr bei 25,8 Prozent. Frauen ab 65 bezogen 2024 im Schnitt rund 1.720 Euro brutto monatlich, Männer rund 2.320 Euro [2].
Warum ist die Lücke größer, wenn man nur eigene Ansprüche betrachtet?
Weil viele Frauen Alterseinkünfte aus Hinterbliebenenrenten beziehen, rund 29 Prozent gegenüber gut 6 Prozent bei den Männern [4]. Klammert man diese abgeleiteten Ansprüche aus, steigt der Gender Pension Gap auf 36,9 Prozent [2].
Sind ältere Frauen häufiger von Armut bedroht?
Ja. Die Armutsgefährdungsquote lag bei Frauen ab 65 Jahren bei 21,3 Prozent, bei Männern derselben Altersgruppe bei 17,3 Prozent. Über alle Altersgruppen hinweg waren 16,1 Prozent der Bevölkerung armutsgefährdet [1].
Wie entsteht der Unterschied überhaupt?
Über die gesamte Erwerbsbiografie. Der unbereinigte Gender Pay Gap lag 2025 bei 16 Prozent, der bereinigte bei 6 Prozent. Hinzu kommt der Gender Hours Gap von 18 Prozent, weil Frauen deutlich weniger Zeit für bezahlte Arbeit aufwenden [3].
Woran erkenne ich seriöse nachhaltige Geldanlagen?
Nicht am Begriff. Der Marktbericht des Forums Nachhaltige Geldanlagen weist ausdrücklich darauf hin, dass sich aus der Zahl angewendeter Strategien nicht auf den Grad der Nachhaltigkeit schließen lässt. Entscheidend ist, welche Kriterien konkret umgesetzt und wie streng sie angewendet werden [8].
Zum Schluss
Ich wünsche mir, dass viele Frauen diese Folge hören. Nicht wegen einfacher Antworten, sondern weil Kornelia zeigt, dass es gute Fragen gibt.
Und du? Was war dein erster Schritt beim Thema Geld, oder was hält dich gerade davon ab? Schreib mir, ich lese jede Nachricht.
👉 Hier geht es zur Folge:
Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag gibt allgemeine Informationen und ist keine Anlage-, Steuer- oder Rentenberatung. Ich bin keine Finanzberaterin. Welche Form der Vorsorge oder Geldanlage im Einzelfall sinnvoll ist, hängt von der persönlichen Situation ab und gehört in ein individuelles Beratungsgespräch, am besten bei einer Beratung, die nicht an Produkte gebunden ist.
Quellen
- Statistisches Bundesamt: Rente im Fokus, Gender Pension Gap und Armutsgefährdung nach Endergebnissen EU-SILC 2025, April 2026 — https://www.destatis.de/DE/Im-Fokus/Rente/_inhalt.html
- Bundesstiftung Gleichstellung: Armut, eine Frage des Geschlechts, mit Angaben zum Gender Pension Gap 2024 und zu abgeleiteten Ansprüchen — https://www.bundesstiftung-gleichstellung.de/wissen/themenfelder/armut-eine-frage-des-geschlechts/
- Statistisches Bundesamt: Gender Gap Arbeitsmarkt 2025 unverändert bei 37 Prozent, mit Angaben zu Gender Pay Gap und Gender Hours Gap, Februar 2026 — https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/02/PD26_064_621.html
- Statistisches Bundesamt: Gender Pension Gap, Alterseinkünfte von Frauen niedriger als die von Männern, mit Angaben zu Hinterbliebenenrenten — https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/04/PD24_N016_12_63.html
- Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG): Marktbericht Nachhaltige Geldanlagen, Übersicht und Veröffentlichungen — https://www.forum-ng.org/de/markt/fng-marktbericht
- Auswertung des FNG-Marktberichts 2025 mit dem erfassten Gesamtvolumen für Deutschland zum Jahresende 2024 — https://www.avesco.de/nachhaltige-geldanlagen-2024-in-deutschland/
- Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG): Marktbericht Nachhaltige Geldanlagen 2023, Schwerpunkt Greenwashing — https://www.forum-ng.org/fileadmin/Marktbericht/2023/FNG_Marktbericht2023_Online.pdf
- Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG): Marktbericht Nachhaltige Geldanlagen 2025, zur Aussagekraft von Anlagestrategien — https://www.forum-ng.org/fileadmin/Marktbericht/2025/FNG_Marktbericht2025_Final_online.pdf
- Statistisches Bundesamt: Gleichstellungsindikatoren, Definition des Gender Pension Gap — https://www.destatis.de/DE/Themen/Querschnitt/Gleichstellungsindikatoren/gender-pension-gap-f33.html
Über mich
Deine Mandy Hindenburg
Stadträtin für Volt Essen, Ratsgruppe Volt & Die PARTEI
City Lead für Partnership & Kommunikation für Volt Team Essen
Geschäftsführerin bei Die Life & Food Farm
Founder I Vorständin der vilaron Stiftung
Founder I Vorständin vom BPW eClub
Founder I GF von Mach mit! Essen gUG
Ich entwickle und führe nachhaltige Strukturen für gesunde Ernährung, Klimaverantwortung und gesellschaftliche Teilhabe.