Wenn ich eine neue Folge vorbereite, weiß ich nie genau, wohin das Gespräch führt. Ich habe einen roten Faden, aber was daraus entsteht, ist jedes Mal etwas Eigenes. Die Folge mit Selina Gärtner war ein Austausch auf Augenhöhe, der mich persönlich bewegt hat. Und beim Nacharbeiten bin ich auf zwei Zahlen gestoßen, die dem Gespräch einen unerwarteten Hintergrund geben: Frauen gründen im Vollerwerb deutlich seltener als noch vor einem Jahr, und sie nutzen KI beruflich deutlich seltener als Männer. Beides hat mit demselben Thema zu tun, mit Zugang.

Das Wichtigste in Kürze
- Der Anteil der Gründerinnen lag 2025 bei 35 Prozent, einen Punkt unter dem Vorjahr und deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von 39 Prozent [1].
- Besonders deutlich ist der Rückgang im Vollerwerb: Dort sank der Gründerinnenanteil von 33 auf 27 Prozent, während er im Nebenerwerb stabil bei 38 Prozent blieb [1].
- 44 Prozent aller Existenzgründungen bauten 2025 auf digitale Angebote, ein neuer Rekordwert nach 36 Prozent im Vorjahr [2].
- Der Gender AI Gap in Deutschland beträgt 16 Prozentpunkte, nach Berücksichtigung von Alter, Bildung, Einkommen und beruflicher Position bleiben 8 Prozentpunkte [3].
- In der Generation der Jahrgänge 1996 bis 2010 nutzt jeder zweite Mann KI intensiv, aber weniger als jede dritte Frau [3][4].
Der Schritt in die Selbstständigkeit ist mutiger geworden
Mehr Menschen in Deutschland gründen wieder, aber der Frauenanteil sinkt, und zwar genau dort, wo es um die Existenz geht. Nach dem KfW-Gründungsmonitor gab es 2025 rund 690.000 Gründerinnen und Gründer, nach 585.000 im Jahr zuvor. Getragen wurde dieser Anstieg vor allem von Nebenerwerbsgründungen [2].
Der Frauenanteil ging trotzdem zurück, auf 35 Prozent nach 36 Prozent im Vorjahr und gegenüber einem langjährigen Mittel von 39 Prozent. Der Rückgang stammt fast vollständig aus den Vollerwerbsgründungen, wo der Anteil von 33 auf 27 Prozent einbrach. Im Nebenerwerb blieb er stabil bei 38 Prozent [1].
Als Gründe werden strukturelle Hürden genannt: schwierigerer Kapitalzugang, kleinere Netzwerke und die Vereinbarkeit von Selbstständigkeit mit Sorgearbeit. Sie treffen vor allem die riskantere Vollerwerbsgründung [5].
Wenn Selina also über den Schritt aus dem klassischen System spricht, dann redet sie nicht über eine Lifestyle-Entscheidung. Sie redet über den Weg, den derzeit immer weniger Frauen gehen.
Warum Vorbilder mehr bewirken als Ratschläge
Selina sagt: „Einfach machen.” Ich habe in unserem Gespräch viel von mir selbst wiedererkannt, diese innere Unruhe, dieses Gefühl, in einem Rahmen zu stecken, der zu eng geworden ist. Und die Zweifel: Schaffe ich das? Bin ich gut genug? Was ist mit Sicherheit?
Es gibt dazu einen Befund, der mir gefällt: 42 Prozent der Gründerinnen und Gründer hatten vor oder während der Gründung eine selbstständig oder unternehmerisch tätige Person als Vorbild [6].
Das ist genau der Grund, warum ich diesen Podcast mache. Nicht, um Ratschläge zu verteilen, sondern um sichtbar zu machen, dass es geht. Ein Vorbild ist keine Anleitung. Es ist ein Beweis.
Der Gender AI Gap, und warum er mit Netzwerken zu tun hat
Selina nutzt KI-Tools, um sich zu entlasten, und gehört damit zu einer Minderheit unter Frauen. Eine gemeinsame Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung und der Initiative D21 hat den Gender AI Gap für Deutschland erstmals in dieser Form untersucht, auf Basis bevölkerungsrepräsentativer Daten mit einer Analysestichprobe von 4.806 Personen im erwerbsfähigen Alter [3][4].
Der Unterschied in der KI-Nutzung zwischen Frauen und Männern beträgt 16 Prozentpunkte. Selbst wenn Alter, Bildung, Einkommen, berufliche Position, Einstellungen und Kompetenzen berücksichtigt werden, bleiben 8 Prozentpunkte [3]. Am deutlichsten ist der Abstand ausgerechnet bei den Jüngsten: In der Generation der Jahrgänge 1996 bis 2010 nutzt jeder zweite Mann KI intensiv, bei den Frauen derselben Altersgruppe weniger als jede dritte [3].
Und jetzt der Teil, der mich als Netzwerkerin aufhorchen ließ. Als Ursachen nennt die Studie unter anderem unterschiedliche Zugänge zu techniknahen Netzwerken und frühe Nutzungsvorsprünge, die sich über die Zeit verstärken. Männer profitieren stärker von Bildung und Einkommen, weil sie häufiger in KI-affinen Berufen arbeiten und stärker in informelle Lernnetzwerke eingebunden sind [4].
Der Zugang zu KI ist also auch eine Netzwerkfrage. Wer niemanden kennt, der ein Werkzeug selbstverständlich benutzt, probiert es seltener aus.
Ermutigend ist der Gegenbefund: Wenn Beschäftigten regelmäßige, arbeitgeberfinanzierte Schulungen angeboten werden, sinkt der Gender AI Gap bei der intensiven Nutzung auf nur noch einen Prozentpunkt. Entscheidend ist, dass es kein gelegentliches Zusatzangebot bleibt [7].
Zur Einordnung: In den Unternehmen selbst ist KI längst kein Nischenthema mehr. Nach der amtlichen Erhebung des Statistischen Bundesamts setzten 2025 etwa 26 Prozent der Unternehmen ab zehn Beschäftigten KI ein, nach 20 Prozent im Vorjahr. Bei großen Unternehmen ab 250 Beschäftigten sind es 57 Prozent [8].
Was ich aus dem Gespräch mitnehme
Selinas Umgang mit dem Thema ist pragmatisch und neugierig zugleich. Sie nutzt KI nicht, um zu ersetzen, sondern um zu entlasten, und sie behält dabei den Blick für den Menschen dahinter. Genau das vermisse ich bei vielen Tech-Ansätzen.
Was mich außerdem beeindruckt hat, ist ihre Bereitschaft, andere Frauen zu unterstützen, ohne Konkurrenzdenken und ohne Fassade. Als Moderatorin im BPW eClub sehe ich jeden Monat, wie viel Kraft in solchen Verbindungen steckt. Nicht wegen der Kontakte, sondern wegen der Gespräche, die nicht nur informieren, sondern etwas verschieben.
Diese Folge ist nicht nur für Gründerinnen interessant, sondern für alle, die an einem Wendepunkt stehen und spüren, dass da noch mehr geht.
Was du konkret tun kannst
| Schritt | Aufwand | Wirkung |
|---|---|---|
| Ein KI-Werkzeug für eine wiederkehrende Aufgabe testen | Eine Stunde | Der Nutzen im Alltag ist der stärkste Antrieb zur Nutzung [4] |
| In deinem Betrieb nach regelmäßigen KI-Schulungen fragen | Eine Mail | Regelmäßige Schulungen senken den Gender AI Gap auf einen Prozentpunkt [7] |
| Eine Frau in dein techniknahes Netzwerk mitnehmen | Eine Einladung | Ungleicher Netzwerkzugang ist eine benannte Ursache des Gaps [4] |
| Im Nebenerwerb starten statt gar nicht | Ein Feierabend pro Woche | Dort ist der Frauenanteil stabil geblieben [1] |
| Eine Selbstständige nach ihrem ersten Jahr fragen | Ein Gespräch | 42 Prozent der Gründenden hatten ein Vorbild [6] |
| Losgehen, bevor die Vorbereitung perfekt ist | Eine Entscheidung | Kein Studienbefund, sondern Selinas Punkt, und ein guter |
Häufige Fragen
Gründen Frauen in Deutschland häufiger?
In absoluten Zahlen gründen wieder mehr Menschen, der Frauenanteil sinkt aber. Er lag 2025 bei 35 Prozent nach 36 Prozent im Vorjahr, langjährig sind es 39 Prozent. Im Vollerwerb ging er von 33 auf 27 Prozent zurück, im Nebenerwerb blieb er bei 38 Prozent stabil [1].
Warum gründen Frauen seltener im Vollerwerb?
Genannt werden vor allem strukturelle Hürden: schwierigerer Kapitalzugang, kleinere Netzwerke und die Vereinbarkeit von Selbstständigkeit mit Sorgearbeit. Diese wirken sich besonders auf die riskantere Vollerwerbsgründung aus [5].
Was ist der Gender AI Gap?
Der Unterschied in der KI-Nutzung zwischen Frauen und Männern. Eine Studie von IAB und Initiative D21 misst für Deutschland 16 Prozentpunkte, nach Berücksichtigung von Alter, Bildung, Einkommen und beruflicher Position bleiben 8 Prozentpunkte [3].
Ist der Gender AI Gap bei jungen Frauen kleiner?
Nein, im Gegenteil. Bei den Jahrgängen 1996 bis 2010 nutzt jeder zweite Mann KI intensiv, bei den Frauen derselben Altersgruppe weniger als jede dritte [3][4]. Die Lücke wächst also ausgerechnet in der Gruppe, deren Berufsleben am stärksten von KI geprägt sein wird.
Was hilft gegen den Gender AI Gap?
Regelmäßige, arbeitgeberfinanzierte Schulungen. Werden sie angeboten, sinkt der Gap bei der intensiven Nutzung auf einen Prozentpunkt. Wichtig ist, dass sie fest verankert sind und nicht als gelegentliches Zusatzangebot laufen [7].
Zum Schluss
Ich bin dankbar für dieses Gespräch, weil es gezeigt hat, wie viel entsteht, wenn Frauen sich ehrlich austauschen. Und weil es mir einen Zusammenhang klargemacht hat, den ich vorher nicht so gesehen habe: Zugang zu Werkzeugen, Zugang zu Kapital und Zugang zu Netzwerken sind dieselbe Frage.
Und du? Welches Werkzeug oder welchen Schritt schiebst du gerade vor dir her, weil du dich noch nicht bereit fühlst? Schreib es mir.
👉 Die Folge mit Selina Gärtner gibt es überall, wo es Podcasts gibt:
Quellen
- KfW Research: Deutschlands Gründerlandschaft verjüngt sich weiter, Pressemitteilung zum KfW-Gründungsmonitor, Mai 2026 — https://www.kfw.de/%C3%9Cber-die-KfW/Newsroom/Aktuelles/Pressemitteilungen-Details_893632.html
- IHK Hannover zum KfW-Gründungsmonitor: Gründende in Deutschland werden jünger, mit Zahlen zu Gründungen und Digitalisierungsgrad, Mai 2026 — https://www.ihk.de/hannover/hauptnavigation/gruendung-sicherung-nachfolge/aktuell/kfw-gruendungsmonitor-gruendende-7059618
- Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB): Gender AI Gap, Betriebe müssen KI aktiv implementieren, gemeinsame Studie mit der Initiative D21, April 2026 — https://iab.de/presseinfo/gender-ai-gap/
- Initiative D21: Gender AI Gap von 16 Prozentpunkten, Frauen nutzen KI deutlich seltener als Männer, April 2026 — https://initiatived21.de/presse/gender-ai-gap-von-16-prozentpunkten-frauen-nutzen-ki-deutlich-seltener-als-maenner
- Business Punk: Einordnung des KfW-Gründungsmonitors, strukturelle Hürden für Gründerinnen, Juni 2026 — https://www.business-punk.com/female/gruenden-frauen-in-deutschland-wirklich-haeufiger-ein-blick-hinter-die-schlagzeile/
- KfW Research: KfW-Gründungsmonitor, Angaben zu Vorbildern bei Gründerinnen und Gründern — https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-Gr%C3%BCndungsmonitor/KfW-Gr%C3%BCndungsmonitor-2024.pdf
- kom.de zur IAB- und D21-Studie: Wirkung regelmäßiger arbeitgeberfinanzierter Schulungen auf den Gender AI Gap, April 2026 — https://www.kom.de/management/frauen-nutzen-ki-deutlich-seltener-als-maenner/
- Statistisches Bundesamt: Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien in Unternehmen, KI-Einsatz 2025 — https://www.destatis.de/DE/Themen/Branchen-Unternehmen/Unternehmen/IKT-in-Unternehmen-IKT-Branche/IKT-U-Erhebung/info.html