Essen gestalten, warum jeder Beitrag zählt und wie wir gemeinsam mehr erreichen
- Mandy Hindenburg

- 29. Apr.
- 4 Min. Lesezeit
Wenn ich durch Essen gehe, sehe ich überall Möglichkeiten. In den Gärten, die noch brach liegen. In den Fassaden, die begrünt werden könnten. In den Menschen, die sich fragen: „Was kann ich eigentlich tun?“ und oft nicht wissen, dass sie längst Teil der Lösung sind. Die letzte Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima- und Verbraucherschutz hat mir wieder gezeigt: Die größten Herausforderungen unserer Stadt sind gleichzeitig die größten Chancen, wenn wir sie gemeinsam angehen. Und das beginnt nicht erst im Rathaus, sondern bei jedem Einzelnen von uns.

Steilhangwälder: Wenn Bäume zur Gefahr werden und was wir daraus lernen
Es klingt erstmal technisch: 870 Bäume in Essens Steilhangwäldern sind als Risikobäume eingestuft. Sie gefährden Straßen, Häuser, vielleicht sogar Leben. Klar, einige müssen gefällt werden, das ist nicht verhandelbar. Aber was kommt danach? Im Ausschuss reden wir viel über Nachpflanzungen, klimaresistente Baumarten und langfristige Waldentwicklung. Doch die eigentliche Frage ist: Was kannst du konkret tun?
Stell dir vor:
Ein Apfelbaum in deinem Garten, der nicht nur Früchte trägt, sondern Bienen und Vögeln ein Zuhause gibt.
Eine Mooswand an deiner Garage, die Feinstaub filtert und Insekten nährt.
Eine blühende Wiese statt kurz gemähtem Rasen, die Schmetterlinge anlockt und das Mikroklima verbessert.
Das sind keine utopischen Träume, das sind Handlungen, die du morgen schon umsetzen kannst. Und das Beste? Sie wirken. Nicht nur für die Umwelt, sondern auch für dich. Wer einmal erlebt hat, wie ein selbst gepflanzter Baum wächst oder wie Kinder begeistert Äpfel von „ihrem“ Baum pflücken, versteht: Das ist gelebte Klimaverantwortung.
Ich setze mich mit Mach mit! Essen dafür ein, dass solche Projekte nicht nur möglich, sondern auch einfach werden. Denn Nachhaltigkeit ist kein Luxus, sie ist eine Einladung, unsere Stadt gemeinsam lebenswerter zu machen.
Tauben, Tunnel und die Frage: Wie wollen wir mit unseren Mitbewohnern umgehen?
Die Diskussion um die Tauben im Bernetunnel zeigt, wie komplex Stadtpolitik sein kann. Einerseits müssen wir Hygiene und Sicherheit gewährleisten. Andererseits geht es um Tierwohl und unser Verhältnis zur Natur in der Stadt. Die Stadt hat viel unternommen, Vergrämung, Taubenschläge, Aufklärung. Doch solange Menschen die Tiere füttern, bleibt das Problem bestehen.
Hier wird klar: Verantwortung beginnt im Kleinen.
Nicht füttern heißt nicht herzlos zu sein, es bedeutet, die Tiere nicht in Abhängigkeit zu bringen.
Aufklärung ist kein Job der Verwaltung allein, sondern unsere gemeinsame Aufgabe. Vielleicht kennst du jemanden, der Tauben füttert? Ein Gespräch kann mehr bewirken als ein Verbot.
Gemeinschaftliche Lösungen wie die Taubenschläge funktionieren nur, wenn wir sie akzeptieren und unterstützen.
Das ist gesellschaftliche Teilhabe im Alltag: Nicht warten, bis „die Politik“ etwas regelt, sondern selbst mitdenken, mitreden, mitgestalten.
Die IGA 2027: Nicht nur ein Event, sondern unsere Chance
Die Internationale Gartenausstellung 2027 ist mehr als ein großes Fest, sie ist eine Einladung, Essen neu zu denken. Projekte wie der Emscherpark 2.7 oder der Kanaluferpark Schurenbachhalde zeigen, was möglich ist, wenn wir mutig sind: Grüne Oasen mitten in der Stadt, Orte der Begegnung, Räume, die Natur und Urbanität verbinden.
Doch solche Projekte leben nicht von allein. Sie brauchen:
Dich, der sie nutzt, ob zum Spazieren, zum Spielen oder einfach zum Verweilen.
Initiativen, die sie mit Leben füllen, mit Veranstaltungen, mit Pflege, mit Ideen.
Eine Stadtgesellschaft, die sagt: „Das ist unser Projekt.“
Das ist Transparenz in Aktion: Wenn wir verstehen, warum solche Investitionen wichtig sind und wie wir alle davon profitieren, dann werden aus „Kosten“ Chancen.
Lärm, Luft, Lebensqualität: Warum wir nicht wegschauen dürfen
Lärm ist kein abstraktes Problem, er raubt Schlaf, macht krank, stresst. Und doch wird er oft hingenommen, als wäre er unvermeidbar. Dabei gibt es Lösungen: Tempolimits, lärmmindernder Asphalt, grüne Barrieren.
Aber die beste Lösung ist die, die wir selbst in der Hand haben:
Hast du schon einmal darüber nachgedacht, wie laut dein eigenes Verhalten ist? Ein Motorrad, das unnötig aufheult, eine laute Musikanlage im Garten, oft reicht schon ein bisschen Rücksicht, um das Leben aller leiser zu machen.
Grünflächen sind keine Luxusprojekte, sie sind Lärmschutzwälle. Jeder Baum, jede Hecke, jeder begrünte Balkon hilft, den Lärm zu dämpfen.
Gemeinschaftliche Initiativen wie „Leise Nachbarschaften“ zeigen: Wenn wir zusammenarbeiten, können wir viel erreichen.
Das ist gelebte Demokratie: Nicht warten, bis andere etwas ändern, sondern selbst aktiv werden.
Warum ich das alles erzähle und was du damit zu tun hast
Ich schreibe das nicht als Stadträtin, sondern als Mensch, der diese Stadt liebt und der weiß, dass wir sie jeden Tag ein bisschen besser machen können. Die Themen, die wir im Ausschuss besprechen, sind keine abstrakten Politikfragen, sie betreffen deinen Alltag.
Wenn wir über Radwege reden, geht es um die Frage: Können deine Kinder sicher zur Schule kommen?
Wenn wir über Wälder reden, geht es um die Frage: Bist du bereit, heute zu handeln, damit morgen keine Häuser von umstürzenden Bäumen bedroht werden?
Wenn wir über die IGA reden, geht es um die Frage: Willst du eine Stadt, die nur funktioniert oder eine, die leuchtet?
Meine Überzeugung ist: Politik ist kein Zuschauersport. Sie lebt davon, dass wir alle mitmachen. Ob du einen Baum pflanzt, in deinem Garten eine Blumenwiese anlegst, dich in einer Initiative engagierst oder einfach nur bewusster lebst, dein Beitrag zählt.
Essen hat das Potenzial, eine Vorbildstadt zu werden, klimafreundlich, sozial, lebenswert. Aber das schaffen wir nur gemeinsam.
Was denkst du?
Wo siehst du Möglichkeiten, selbst aktiv zu werden? Hast du Ideen, wie wir unsere Stadt noch besser machen können? Schreib mir, ich freue mich auf deine Gedanken und bringe sie in die nächste Diskussion ein.
Deine Mandy Hindenburg
Stadträtin für Volt Essen, Ratsgruppe Volt & Die PARTEI
City Lead für Partnership & Kommunikation für Volt Team Essen
Geschäftsführerin bei Die Life & Food Farm
Founder I Vorständin der vilaron Stiftung
Founder I Vorständin vom BPW eClub
Founder I GF von Mach mit! Essen gUG
Ich entwickle und führe nachhaltige Strukturen für gesunde Ernährung, Klimaverantwortung und gesellschaftliche Teilhabe.
PS: Du willst selbst etwas bewegen? Hier ein paar konkrete Ideen zum Mitmachen:
Pflanz einen Baum, sei es im Garten, auf dem Balkon oder in einem Gemeinschaftsprojekt.
Werde Teil von „Mach mit! Essen“ und gestalte mit uns Projekte für mehr Biodiversität und Gemeinschaft.
Tausch dich aus, mit Nachbarn, Freunden, Kollegen. Oft entstehen die besten Ideen im Gespräch.
Gemeinsam können wir Essen zu dem Ort machen, der es verdient zu sein: lebendig, grün und voller Möglichkeiten.




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