Warum ich mich von US-IT verabschiede
- Mandy Hindenburg

- vor 1 Tag
- 3 Min. Lesezeit
und wie wir Politik, Care-Arbeit und digitale Souveränität neu denken müssen.
Ein Wochenrückblick über persönliche Entscheidungen, politische Verantwortung und gesellschaftliche Weichenstellungen
Der digitale Umzug: Warum ich US-IT-Konzerne verlasse und warum Europa jetzt dran ist
Die Erkenntnis: Abhängigkeit ist ein Risiko
In den letzten Monaten habe ich mich intensiv mit Datensouveränität, Sicherheit und unserer Abhängigkeit von US-Technologie auseinandergesetzt. Die Fragen, die mich umtrieben:
Was passiert mit unseren Daten, wenn morgen jemand „Gib mal her!“ sagt?
Warum geben wir die Kontrolle über unsere digitale Infrastruktur aus der Hand? (96 % der deutschen Unternehmen nutzen US-IT – Bitkom 2026).
Wie können wir als Europäer:innen Alternativen schaffen, die nicht nur sicher, sondern auch gemeinwohlorientiert sind?
Als Mandatsträgerin in Essen und Mitglied einer europäischen Partei ist es mir wichtig, nicht nur über Europa zu reden, sondern es aktiv zu stärken. Deshalb stelle ich alle meine Projekte, Firmen und Institutionen schrittweise auf europäische Lösungen um.
Politik anders machen: Warum „dumme Fragen“ die klügsten sind
Die Ausschusssitzung, die mich zum Umdenken brachte
In der letzten Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Verbraucherschutz hatte ich einen Aha-Moment. Thema: Ein komplexes Förderprogramm für kommunale Klimaprojekte. Die Unterlagen waren 50 Seiten lang und ich verstand alles. Also stellte ich keine Frage.
Doch dann hörte ich zu, wie andere „dumme Fragen“ stellten:
„Was bedeutet ‚Kofinanzierung‘ konkret für unsere Stadt?“
„Können Sie das nochmal in einfachen Worten erklären?“
„Wie können kleine Initiativen davon profitieren?“
Plötzlich wurde mir klar:
Wer fragt, bleibt sichtbar. (Und sorgt dafür, dass Themen nicht im Fachjargon versanden.)
Wer fragt, zeigt Interesse. (Und macht Politik lebendig.)
Wer fragt, deckt Blindspots auf. (Gerade bei komplexen Themen wie Klimaschutz oder digitaler Infrastruktur.)
Warum das für uns alle relevant ist
In einer Zeit, in der Politik oft als „Agieren“ statt als „Gestalten“ wahrgenommen wird, sind Fragen ein Werkzeug der Demokratie. Mein persönlicher Lernprozess:
Ich traue mich jetzt, „dumm“ zu stellen, für eine bessere Sache.
Ich nutze Fragen strategisch, um Themen zu vertiefen (z. B. „Wie sieht die Umsetzung konkret aus?“).
Ich ermutige andere, es mir gleichzutun, besonders Frauen, die oft zurückhaltender sind.
→ Frage an euch: Habt ihr ähnliche Erfahrungen in Meetings oder Ausschüssen gemacht? Wie geht ihr mit der Angst um, „unvorbereitet“ dazustehen?
Frauenstreik 2026: Warum wir über Care-Arbeit reden müssen und wie wir Männer mitnehmen

Der leere Platz in Essen und was er uns sagt
Am 9. März 2026 sollte Essen stillstehen. Der Frauenstreik war geplant, doch statt Massenprotest: eine Handvoll Frauen, ein paar Plakate, viel Leere. Warum?
Care-Arbeit ist unsichtbar, bis sie fehlt. (70 % wird unbezahlt geleistet, meist von Frauen.)
Feminismus wirkt für viele abstrakt. „Gleichstellung“ ist ein Containerbegriff, aber was bedeutet er konkret?
Männer fühlen sich oft nicht angesprochen. 31 % der Gen-Z-Männer wollen sogar zurück zu „traditionellen Rollen“ (Ipsos-Studie 2026).
Drei Lösungsansätze, die wir JETZT umsetzen können
Problem | Lösungsidee | Beispiel aus der Praxis |
Care-Arbeit bleibt unsichtbar | Lokale Care-Kooperativen gründen | In Barcelona organisieren Nachbar:innen gemeinsam Kinderbetreuung („La Borda“). |
Männer fühlen sich ausgeschlossen | „Men as Allies“-Programme | Bei SAP mentoren Männer junge Frauen in Tech-Berufen und reflektieren eigene Rollenbilder. |
Feminismus wirkt abstrakt | Konkrete Handlungsangebote schaffen | Workshops in Schulen: „Was bedeutet Care-Arbeit für Jungs?“ (z. B. mit „Care Revolution“). |
Mein Fazit:
Wir brauchen keine weiteren Studien, wir brauchen Infrastruktur, die Care-Arbeit sichtbar und wertgeschätzt macht.
Männer müssen Teil der Lösung sein. Nicht als „Gegner“, sondern als Verbündete (z. B. durch Mentoring oder Care-Tage für Väter).
Politik muss Care-Arbeit endlich als Systemfrage begreifen und nicht als „Frauenthema“.
→ Meine Initiative: Ich starte in Essen eine lokalen Projekte auch zu Care-Arbeit. Wer hat Lust mitzumachen? Meldet euch!
Drei Lehren aus einer intensiven Woche
Digitale Souveränität ist kein Luxus, sie ist Notwendigkeit.
Jede:r kann beginnen (z. B. mit Nextcloud oder Signal).
Politik und Unternehmen müssen vorangehen, sonst bleiben wir abhängig.
Politik lebt von Neugier, nicht von Perfektion.
Fragen sind kein Zeichen von Schwäche, sondern von Engagement.
Demokratie braucht Menschen, die „dumm“ wirken wollen, für klare Antworten.
Care-Arbeit ist der unsichtbare Klebstoff unserer Gesellschaft.
Wir müssen sie sichtbar machen, durch lokale Projekte und männliche Verbündete.
Gleichstellung ist kein Projekt, sondern eine Haltung.
Und jetzt? Dein nächster Schritt
Digitale Souveränität: Probier eine europäische Alternative aus (z. B. Nextcloud) und berichte in den Kommentaren!
Politische Reflexion: Trau dich, in deinem nächsten Meeting eine „dumme Frage“ zu stellen und erzähl uns, wie es war.
Care-Arbeit: Engagier dich in einer lokalen Initiative (oder gründe eine!), ich unterstütze dich gerne.
→ Lasst uns austauschen: Welcher Punkt hat dich am meisten angesprochen? Wo siehst du Handlungsbedarf? Schreibt mir in die Kommentare oder per PN!
Weiterführende Links:
PS: Dieser Artikel ist Teil meiner wöchentlichen Reflexion. Wenn du ähnliche Themen vertieft sehen möchtest, lass es mich wissen, ich plane gerade eine Serie zu „Politik, die verbindet“.




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